Fürstenfeldbruck – „Ein Prall, ein Schall, dicht am Gesicht – verloren ist das Gleichgewicht“, so dichtete schon Wilhelm Busch. Und weiter: „Die Kraft, infolge von Erregung, verwandelt sich in Schwungbewegung.“ Ja, mit der Watschn habe er früher selbst so seine Erfahrungen gemacht, sagt Klaus Heinsius, 78, aus Fürstenfeldbruck. In den 1940er-Jahren, als Bub, traf ihn die Körperstrafe mehrmals. Einmal war er auf eine hohe Birke geklettert und traute sich nicht mehr herunter – erst die Mutter eines Freundes konnte ihn überreden, weil unten doch eine „schöne Überraschung“ auf ihn warte. Die kam dann auch – in Form einer saftigen Watschn. Wumms, das saß!
Die Watschn ist so etwas wie das glatte Gegenteil von pädagogischem Feingefühl. Viele Lehrer und Eltern hielten sie für eine ganz normale pädagogische Kulturtechnik, die daher in Deutschland weitverbreitet war – wobei man sie überall anders nannte. Heinsius hat etliche Synonyme zusammengetragen. Im Einzelnen: Backenstreich (Firmung), Backpfeife, Brätschn, Dätschn, Fotzn, Bockfotzn, Ohrfeige, Schelln, Maulschelle, Knallschote, Klatsche und Backenfutter. Im Internet findet man weitere schreckliche Ausdrücke wie: Gesichtsrodung, katholischer Elfmeter, Gesicht umgraben, Wangenapplaus, Ellerbecker Rundschlag, Backensolo und Fratzentango. Ebenso waren etliche Verben im Umlauf. Zum Beispiel:
Du bekommst eine …: gedachelt, gedonnert, geklatscht, gelangt, geschallert, gebrettert, gescheppert oder auch geschwalbt.
Der im Norden gebräuchliche „Klaps“, fügt Heinsius an, wird allerdings überwiegend nicht gegen den Kopf, sondern gegen andere Körperteile ausgeführt.
Die Watschn ist im Allgemeinen nur ein Schlag auf die Wange. Der Begriff sei eigentlich ein ostoberdeutsches Dialektwort mit dem mittelhochdeutschen Ursprung Orewetzelin, sagt Sepp Obermeier, Vorsitzender des Bund Bairische Sprache. Die Herkunft oder gar ein Erfinder der Wortschöpfung ist, so Obermeier, nicht bekannt, aber vermutet werde ein Zusammenhang mit „Ohrwa(t)schel“, der Ohrmuschel oder auch mit „Watschel“, einer dicken plumpen Person. „Eine Lautmalerei ähnlich ,klatsch‘ kann nicht ausgeschlossen werden.“
Als wäre eine Watschn nicht schlimm genug, so führt Heinsius in seiner kleinen „Watschn-Dissertation“ noch etliche Steigerungsformen auf: eine saftige Watschn, eine schallende Ohrfeige, eine an den Hals, eins aufs Maul, eins hinter die Ohren, eins hinter die Löffel, abwatschen oder auch die Quadratwatschn. Eine ganz gemeine Technik, sagt der Fürstenfeldbrucker, war die „vorgeriebene Watschn“. Dabei wurde die Backe so lange gerieben, bis sie schön durchblutet war. Das machte die Watschn dann besonders schmerzhaft.
Wäre noch zu klären, was es mit dem Watschnmann und dem Watschnbaum auf sich hat. Es sind keine Synonyme, wie der frühere CSU-Chef Horst Seehofer im Eifer des Gefechts („Noch mal mach ich den Watschnbaum nicht“) kürzlich meinte. Leicht herzuleiten sind die Begriffe aber in der Tat nicht. Auch Sepp Obermeier vom Dialektverein muss grübeln. Der Watschenbaum stehe bildhaft für einen Baum voller „schlechter“ Früchte, der einen zu erdrücken drohe als Ahndung für unbotmäßiges Verhalten, vermutet er.
Und der Watsch(e)nmann kommt vielleicht vom Wiener Prater: Dort stand bis Anfang der 1970er-Jahre eine Figur ähnlich Hau dem Lukas, der man gegen einige Schillinge eine runterbrennen konnte. Ein Kraftmesser zeigte dann an, wie hart man schlug.
Die Figur ist indes ausgemustert, sie steht im Museum. Vielleicht kein schlechtes Zeichen.