München/Miesbach – Einladungen, Geschenke, Reisen: Die Affäre um großzügiges Sponsoring der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee brachte unter anderem den Ex-Vorstandschef Georg Bromme und den Ex-CSU-Landrat Jakob Kreidl vor Gericht. Jetzt steht der Prozess vor dem Abschluss – und wenn es nach dem Vertreter der Anklage Jürgen Rohrmüller geht, dürfte das besonders für Bromme nicht glimpflich enden. Der 70-Jährige soll zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Zudem soll er 25 000 Euro Wiedergutmachung zahlen – laut Rohrmüller nur ein Bruchteil des angerichteten Schadens, der auf 300 000 Euro taxiert wird. „Eine Bewährungsstrafe kommt hier nicht in Betracht“, betonte Rohrmüller. Milder könnte das Urteil gegen Kreidl ausfallen. Für den 66-Jährigen forderte der Oberstaatsanwalt in seinen fast zweistündigen Ausführungen ein Jahr und vier Monate Gefängnis – ausgesetzt zur Bewährung. Für den amtierenden Sparkassenchef Martin Mihalovits setzte Rohrmüller acht Monate auf Bewährung an. Auch Kreidl und Mihalovits sollen nach Ansicht von Rohrmüller Geldbußen zahlen.
Am Mittwoch werden die Verteidiger ihre Plädoyers halten, je nachdem, wie weit sie kommen, ist mit einem Urteil am 8. oder 17. April zu rechnen. Damit neigt sich ein Prozess dem Ende zu, der seit Oktober die ausschweifende Reisetätigkeit von Sparkassenvorständen und Verwaltungsräten beleuchtet hatte. Wien, Stubaital, Interlaken, Nächtigungen in Nobelhotels, Geschenkkörbe und andere nette Gaben („Besteckmesser Hirschhorn für 842 Euro“, listete die Anklage zum Beispiel auf), ferner Abendessen mit erlesenen Weinen, in Einzelfällen für über 2000 Euro die Flasche. „Dekadent“ nannte das Rohrmüller in seinem Plädoyer. Fachvorträge hätte allenfalls Alibifunktion gehabt.
Nicht gut weg kam zum Ende auch Ex-Vize-Landrat Arnfried Färber, der nicht angeklagt ist, weil er vorab einen Strafbefehl akzeptiert hatte. Seine von der Sparkasse ausgerichtete Feier zum 70. Geburtstag sei ohne jeden Geschäftsbezug gewesen.
Im Mittelpunkt dürfte jedoch Georg Bromme stehen. Muss er wirklich ins Gefängnis, wäre das das spektakuläre Ende einer Sponsoring-Affäre, die die Öffentlichkeit seit nunmehr fünf Jahren beschäftigt. Bromme scheint ohne große Einsicht zu sein. Bei einer extra anberaumten Verwaltungsratssitzung hat er kürzlich eine Entschuldigung verweigert – im Gegensatz zu den anderen beiden Angeklagten. STEFAN GERNBÖCK