Fürstenfeldbruck – Massenerschießungen, Deportationen und die Liquidation ganzer Dörfer: Offiziere aus der Polizeischule in Fürstenfeldbruck waren für zahlreiche Verbrechen im Zweiten Weltkrieg mitverantwortlich. Im Laufe des Krieges wurde sie zur wichtigsten Polizeischule Deutschlands vor Berlin-Köpenick – und bildete die Führungskader aus, die aktiv an den NS-Gräueltaten beteiligt waren. Das Museum Fürstenfeldbruck gibt von heute an in der Ausstellung „Ausbildung – Enthemmung – Verbrechen“ Einblicke in die Verbrechen der Offiziere aus Fürstenfeldbruck. Gezeigt werden großformatige Fotos und auch einige Objekte wie etwa Uniformen. Auf die Zurschaustellung vonWaffen haben die Ausstellungsmacher bewusst verzichtet.
Vorausgegangen war eine Studie mit dem Titel „Täter auf der Schulbank“ des Historikers Sven Deppisch von 2017. Demnach war das Kloster Fürstenfeld, in dem auch heute angehende Beamte an der Hochschule für den Fachbereich Polizei studieren, unter den Nazis „zentraler Täterort“ und ein „Knotenpunkt im Koordinatensystem des Holocausts“.
Rund 270 000 Mann zählte die Ordnungspolizei während des Krieges. Nur wenige der Täter seien aber nach Kriegsende juristisch zur Rechenschaft gezogen worden, sagt Deppisch. Ähnlich wie bei der Wehrmacht hielt sich nach dem Krieg lange der Glaube, die Ordnungspolizei sei nicht in die Massenmorde der Nazis verstrickt gewesen. Die Polizei scheute sich jahrzehntelang vor der Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit.
In Fürstenfeldbruck gefiel Deppischs Arbeit nicht jedem. „Das hat den Ort aufgerüttelt“, sagt Kuratorin Barbara Kink. Die Polizeischule und der ab 1936 gebaute Militärflughafen prägten den Ort Fürstenfeldbruck: Die Offiziersanwärter kurbelten den Umsatz an – beim Bäcker, beim Metzger, in Gasthäusern.
Der Ort habe sich in den 1920er Jahren um die Ansiedelung der Schule beworben, sagt Kink. Ab 1924 beherbergte das säkularisierte Kloster Fürstenfeld die Polizeischule. 1700 Polizeioffiziere wurden zwischen 1937 und 1945 hier ausgebildet. Die meisten waren Mitglied in NSDAP und SS. Sie übten in Fürstenfeldbruck den „Bandenkampf“ und wurden auf den Rassen- und Vernichtungskrieg vorbereitet. os/lby
Die Ausstellung
ist bis 7. Juli zu sehen. Ort: Museum Fürstenfeldbruck Fürstenfeld 6b, geöffnet Die. bis Sa. 13 bis 17 Uhr, So. 11 bis 17 Uhr.