Zwischen Mikrofon und Babyfon

von Redaktion

Beruf und Baby unter einen Hut bringen, das gelingt bei Familie Pürzer auf einzigartige Weise. Markus Pürzer moderiert die Morgenshow beim Radiosender Top FM in Fürstenfeldbruck – seine Frau Katharina Strodtkötter und sein einjähriger Sohn Ben übernehmen die Co-Moderation vom Homestudio am Ammersee aus.

VON ALICIA GREIL

Fürstenfeldbruck/Eching – „Drei, zwei, eins“ zählt die Zeitanzeige an Katharina Strodtkötters Laptop, dann geht die 33-jährige Radiomoderatorin auf Sendung. „Ist das ein Traumtag heute – schaut mal raus aus dem Fenster“, begrüßt sie ihre Zuhörer, bevor sie auf dem Fürstenfeldbrucker Radiosender Top FM die Wetteraussichten für die nächsten drei Tage vorstellt.

Doch Katharina Strodtkötter steht nicht im Tonstudio in Fürstenfeldbruck. Sie arbeitet in ihrem Haus in Eching am Ammersee, wo sie mit Ehemann Markus Pürzer im obersten Stockwerk ein Homestudio eingerichtet hat. Zwei Laptops auf einem Schreibtisch, ein Mikrofon und Kopfhörer – mit dieser Ausstattung moderiert die 33-Jährige montags bis freitags von 5 bis 10 Uhr zusammen mit Markus Pürzer und Söhnchen Ben die Morgenshow „Die Pürzers am Morgen – Bayerns einzige Radiofamilie“.

Auch der einjährige Ben hat seine „Arbeitsunterlagen“, ein Kinderbuch, ein Spielauto und kleine Söckchen, im Studio. „Normalerweise wacht Ben gegen halb acht oder acht auf und kommt dann mit auf Sendung“, sagt seine Mama. „Extra aufgeweckt wird er natürlich nicht.“ Ben ist vor allem für die Hintergrundgeräusche der Morgenshow verantwortlich: Mal fliegt ein Bauklotz durch die Gegend, mal rollt ein Spielauto vorbei oder der Junior unterhält die Zuhörer mit seinem Babygebrabbel – langweilig wird es dank ihm nie. Während Katharina Strodtkötter und Ben im Homestudio am Ammersee stehen, moderiert Markus Pürzer vom Tonstudio des Radiosenders aus – über Skype kann sich die Familie währenddessen sehen und hören.

„Wir haben fünf Monate daran gefeilt, bis es technisch möglich war, dass es beim Sprechen keine Zeitverzögerung gibt und alles gut klingt“, sagt Markus Pürzer. Nicht nur die technische Umsetzung war eine Herausforderung. Sich bei der Moderation nicht mehr live im Studio, sondern nur am Bildschirm zu sehen, war für den 38-Jährigen und seine Frau am Anfang gewöhnungsbedürftig. „Aber nach dem ersten Tag hat sich alles eingespielt“, sagt Markus Pürzer.

Einspielen mussten sich auch Mama Katharina Strodtkötter und Söhnchen Ben im Homestudio. „Es ist ein Spagat, Kind und Beruf gleichzeitig zu meistern“, erzählt die 33-Jährige. „Viele denken, Homeoffice wäre einfach, aber ich betreue Ben und arbeite jeden Tag fünf Stunden. Beim Moderieren muss ich hochkonzentriert und fokussiert sein, weil Hunderttausende Menschen hören, was ich sage.“

Neben den halbstündigen Nachrichten sind ein Familienblog und die Rubrik „Alltagswissen zum Weitersagen“ Teil der Show. Da die Sendung bereits frühmorgens beginnt, klingelt bei Mama und Papa Pürzer schon um 4 Uhr der Wecker. „Markus steht als Erstes auf und geht ins Bad, weil er ja den Weg nach Fürstenfeldbruck fahren muss“, erzählt seine Frau und Co-Moderatorin. „Ich gehe nach ihm ins Bad, trinke noch einen Kaffee und dann geht es auch schon los.“

Um 10 Uhr haben die Pürzers an diesem Tag ihren letzten Einsatz im Radio – nach den Nachrichten ist der Arbeitstag zumindest für Katharina Strodtkötter geschafft. Markus Pürzer ist Programmleiter bei Top FM und hat daher im Studio in Fürstenfeldbruck noch einiges zu tun. Und Ben? Der hat die Sendung ausnahmsweise komplett verschlafen. Am Vortag war er krank, deshalb kuriert er sich an diesem Freitag noch mit einem extralangen Schläfchen aus. Über ein Babyfon mit integrierter Kamera hat Katharina Strodtkötter immer ein Auge auf Ben. Und wenige Minuten nach Sendeschluss sind die ersten murmelnden Laute aus dem Kinderzimmer zu hören.

„Er ist zum Glück ein total umgängliches Kind“, schwärmt die 33-Jährige. „Sehr fröhlich, aber vom Temperament her eher ruhig.“ Im Studio ist Ben vor allem neugierig. „Er liebt Technik und haut oft mit beiden Patschehändchen auf die Tasten“, erzählt Markus Pürzer schmunzelnd. „Er würde am liebsten alle Knöpfe gleichzeitig drücken und reißt auch mal das Mikro runter.“ Neben Technik begeistert sich der kleine Ben für Tiere und Rockmusik. „Guns N’ Roses, The Darkness und AC/DC hört er am liebsten“, erzählt sein Papa. Musik- und technikbegeistert, fröhlich und umgänglich – vielleicht wird Ben in einigen Jahren der nächste Pürzer, der die Morgenshow bei Top FM moderiert. Bis es so weit ist, schnuppert er erst einmal weiter gut behütet im Homestudio an der Seite von Mama und Papa in die Radiowelt hinein.

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