Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Bert Brunner, 68, lebt schon sein ganzes Leben in Aschau am Inn, wo auch Joseph Kardinal Ratzinger einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Als Papst Benedikt XVI. hat ihn der Metzgermeister in Rente einst persönlich getroffen.
Aschau hat 37 Ortsteile. Aus welchem kommen Sie?
Ich bin geboren in Wolfgrub, einem Ortsteil mit 65 Einwohnern, hier haben meine Frau und ich vor 40 Jahren ein Haus gebaut und zwei Töchter bekommen. Wir haben eine eigene Dorfgemeinschaft und wir haben in Eigenarbeit eine Kapelle gebaut. Zur Einweihung 2006 habe ich auch Papst Benedikt XVI. eingeladen. Er kennt Aschau gut, weil er in seiner Kindheit hier gelebt hat.
Haben Sie ihm einen Brief geschrieben?
Nein. Wir waren persönlich in Rom und ich habe ihn bei der Privataudienz gefragt, ob er am Sonntag Zeit hat und dass wir um den päpstlichen Segen bitten würden. Er hat wortwörtlich gesagt: „Am Sonntag hab i jetzad ned Zeit, aber meinen Segen, den habt’s.“
Fühlen Sie sich als Wolfgruber oder als Aschauer?
Beides. Aschau hat 25 Vereine, bei der Hälfte bin ich dabei. Wir haben viele Feste. Der Trachtenverein macht das Maibaumaufstellen. Der Musikverein organisiert ein fünftägiges Sommerfest, der Kindergartenförderverein den Christkindlmarkt. Im Frühjahr und im Herbst sind Theatervorstellungen vom Trachtenverein. Es ist allweil was los, da machen alle aus allen Ortsteilen mit.
Haben die Vereine Nachwuchsprobleme?
Nein, das kennen wir in Aschau nicht. Es ist ein wachsender Ort mit circa 3300 Einwohnern. Wir haben etliche Neubaugebiete, die Bauplätze werden nach dem Einheimischenmodell an Aschauer und Familien vergeben, die schon länger hier leben und arbeiten. Auch viele Zugezogene sind voll integriert in den Vereinen und es findet sich immer jemand, der ein Amt übernimmt.
Was gibt es in Aschau alles?
Arbeitsplätze und viel Lebensqualität, mit der wunderschönen, hügeligen Landschaft und den vielen Radwegen. Wir haben viele Handwerksbetriebe und auch Industrie, mit dem Werk Aschau, einem ehemaligen Rüstungswerk, das jetzt 50 Gewerbebetriebe mit 2000 Beschäftigten beheimatet.
Was empfehlen Sie Besuchern?
Sie sollen unsere schönen Kirchen anschauen und das ehemalige Wohnhaus von Papst Benedikt XVI.
Und wo gibt’s ein Bier und was zu essen?
Im Bräustüberl gibt’s noch echtes Aschauer Bier. Leider hat es am Wochenende geschlossen. Aber wir haben einige Gaststätten, die Scheuerer Alm, die Gaststätte Stauwerk und einen Griechen. Schade ist, dass das Wirtshaus neben der Kirche zuhat.
Interview: Aglaja Adam