München – Ein Osterfrühstück im Freien bei kräftigen Sonnenstrahlen und fast hochsommerlichen Temperaturen – was vielen Menschen in Bayern das Osterwochenende versüßt haben dürfte, bereitet den Landwirten im Freistaat allmählich große Sorgen. Denn die anhaltende Trockenheit erinnert so manchen an den Dürre-Sommer vom vergangenen Jahr.
„Die Bauern haben ein Déjà-vu“, sagte der Getreide-Referent des Bayerischen Bauernverbands, Anton Huber. Nach der Trockenheit vom vergangenen Jahr sei nach wie vor keine Feuchtigkeit im Unterboden. Derzeit sehe es nur in Schwaben etwas besser aus. Auch die fränkischen Winzer hoffen auf Regen bis spätestens Mai. „Wenn er kommt, ist alles gut, ansonsten wird es eng“, sagte der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann, der selbst Winzer ist. Gerade weil einige Reben schon vom vergangenen Jahr angegriffen seien. Vor allem bei jungen Reben sei Trockenheit kritisch.
Die Obstbauern sind ebenfalls besorgt. „Normalerweise zehren wir zu dieser Zeit vom feuchten Winter, aber das ist jetzt nicht möglich“, sagte Alexander Zimmermann von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Gerade nach der Obstblüte, wenn die Zellteilung der Früchte beginnt, müssten die Bauern mit Bewässerung nachhelfen. „Wir hoffen, dass es nicht wieder ein Jahr wie 2018 wird, das würde für alle kritisch.“
Auch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft wagt noch keine Prognosen. „Ende Februar waren die Böden in ganz Bayern wieder gut gesättigt“, sagte Mitarbeiter Hans-Peter Dietrich. In den vergangenen Wochen habe sich das zwar schon wieder geändert, aber an sich sei der März vermutlich nicht zu trocken gewesen. „Mich beruhigt, dass sich die Wasserspeicher auch nach diesem Jahrhundertsommer wieder aufgefüllt haben“, so Diedrich. Dennoch müssten Bauern sich langfristig überlegen, auf andere Baumarten umzuschwenken.
Gerade im Wald macht den Förstern und Waldbesitzern noch das vergangene Jahr zu schaffen. Eine Kombination aus Stürmen, Dürre und Borkenkäferplage hat 2018 zur größten Holzernte seit über einem Jahrzehnt geführt. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 64,4 Millionen Festmeter Holz eingeschlagen, wie der Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie mitteilte. Das war soviel wie seit 2007 nicht mehr, als Orkan Kyrill in den Wäldern wütete. Fast die Hälfte der Ernte des vergangenen Jahres war „Kalamitätsholz“, so der Fachbegriff der Branche. „Der Klimawandel ist auch im Wald angekommen“, sagt Martin Neumeyer, Vorstandschef der Bayerischen Staatsforsten, mit einer bewirtschafteten Fläche von mehr als 800 000 Hektar der größte deutsche Waldbesitzer. „Die Wälder überall in Mitteleuropa leiden unter Trockenstress, Borkenkäfervermehrung sowie Schneebruch- und Sturmschäden.“
Für Förster, Forstarbeiter und die vielen kleinen Waldbesitzer in Bayern bedeuten die Schäden in diesem Frühjahr Überstunden. Denn im Wald zieht ein Unglück das nächste nach sich: Stürzen viele Bäume wegen Stürmen und Schneebruchs um, begünstigt das die Ausbreitung des Borkenkäfers, der tote Bäume bevorzugt. Und die Käfer haben es gern warm und trocken – das aktuelle Wetter ist ihnen also gerade recht. Die Waldbesitzer müssen nicht nur umgestürzte Bäume aus dem Wald holen, sondern haben auch mit gesunkenen Verkaufspreisen für Fichtenholz zu kämpfen. Bau- und Möbelindustrie freuen sich dagegen über niedrigere Einkaufspreise.
Hoffnung dürfte den Bauern die Wettervorhersage machen. Denn das frühsommerliche Wetter soll sich laut dem Deutschen Wetterdienst in den nächsten Tagen wieder zurückziehen. Bis zum Donnerstag soll es noch sonnig bleiben, dann ziehen nach und nach Schauer über Bayern hinweg. Ob der Niederschlag ausreicht, um die Pflanzen ausreichend zu bewässern, ist laut DWD aber noch nicht sicher. dg/lby