Kein Wunsch ist zu klein

von Redaktion

Herzensangelegenheiten dürfen nicht warten: Der BRK erfüllt todkranken Menschen einen letzten Wunsch. Die Reaktionen sind überwältigend, auch wenn die Ehrenamtlichen manchmal nur noch Vorfreude schenken können.

VON CORINNA KATTENBECK

Berchtesgaden/Straubing – Weil ein acht Jahre alter, sterbenskranker Bub seinen Grabstein selber aussuchen wollte, mobilisierte Notfallseelsorger Klaus Klein alle Kräfte und half den Eltern beim Transport des Patienten. Danach wollte Klein auch anderen helfen und stieß bei Jürgen Zosel, Kreisgeschäftsführer beim BRK Straubing-Bogen, auf offene Ohren. „Zusammen mit einer Ärztin haben wir das Herzenswunsch-Hospizmobil ins Leben gerufen“, sagt Zosel.

Ihr Motto: Kein Wunsch ist zu klein, kein Wunsch ist zu groß. Seit August 2018 kommt das Mobil, ein ausgemusterter Rettungswagen, einmal im Monat zum Einsatz. Einmal brachte es eine krebskranke Frau (48) an einen idyllischen Weiher, „weil sie noch einmal ans Wasser wollte“. Einmal einen 47-jährigen Familienvater mit Krebs im Endstadium nach Berlin. „Er wollte seiner Tochter die Bundeshauptstadt zeigen.“ 14 Tage später starb er.

Manchmal allerdings ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. „Es dauert, bis alles organisiert und die medizinische Versorgung gewährleistet ist“, weiß Zosel. Noch bevor sein ehrenamtliches Team einem Buben mit Hirnschaden und Sauerstoffmangel ein freies Training des FC Bayern samt Allianz-Arena-Besichtigung ermöglichen konnte, erfuhr es von seinem Tod. Jürgen Zosel ist froh, dem Buben noch einen Auftrieb gegeben zu haben. Der leidenschaftliche BRKler rät: „Nicht zu lange warten!“

Über die Internetseite der BRK-Bereitschaften melden zahlreiche Hospize, Privatpersonen, Palliativstationen und Seniorenheime Wünsche an. Momentan sind es insgesamt rund 60 ehrenamtliche Mitarbeiter, die in Straubing und Berchtesgaden mithelfen. „Unsere Helfer machen das, weil diese Aufgabe zeigt, was wirklich wichtig ist im Leben“, sagt Zosel. „Die todkranken Menschen, die diese Fahrten mitmachen, ziehen viel Kraft aus dem Ganzen und haben die letzten Tage noch einmal richtig Leben in sich.“

So, wie ein schwer kranker Mann, der seine geliebten Berge noch einmal aus der Nähe betrachten wollte. Bei Sonnenschein durfte er am Ostersonntag auf das 1600 Meter hoch gelegene Roßfeld bei Berchtesgaden, wo er einmalige Eindrücke genoss.

Das soll bald auch Menschen in Oberbayern und Franken ermöglicht werden. „Die BRK-Bereitschaften Erding, Ingolstadt und Nürnberger Land stehen am Start“, sagt Zosel, der dank vieler Spenden im Mai ein modernes Hospizmobil kaufen kann.

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