Bayern droht der nächste Dürresommer

von Redaktion

Die meisten Bayern haben den sonnenreichen Frühling genossen – doch die Natur leidet unter der Trockenheit. In den Wäldern ist die Lage angespannt, auch die Landwirte haben zu kämpfen. Regen ist zwar in Sicht, doch laut Wetterdienst könnte ein extrem trockener Sommer drohen.

VON KATRIN WOITSCH UND CLAUDIA MÖLLERS

München – Je sonniger es in Bayern ist, desto mehr Zeit verbringt Andreas Lohde in der Luft. Der Feuerwehrmann aus Fürstenfeldbruck ist seit 16 Jahren Luftbeobachter. Sobald das Risiko für Waldbrände so hoch ist wie die letzten Tage, sind er und seine Kollegen im Flugzeug unterwegs. „Die Zahl der Einsätze hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, sagt er. Besonders die Zahl der Einsätze im Frühjahr.

An Tagen wie diesen sind Bayerns Luftbeobachter ständig in Bereitschaft. „Wenn eine Rundmail aus dem Landratsamt kommt, muss es schnell gehen“, erklärt Lohde. „Die beste Zeit, um in der Luft zu sein, ist 13 Uhr.“ Bis dahin ist die Feuchtigkeit der Nacht verschwunden, die Sonneneinstrahlung am größten – und die Aktivitäten der Menschen nehmen zu: Arbeiten im Holz, Grillen, geparkte Autos auf Grasflächen – all das könnte nach wochenlanger Trockenheit schnell einen großflächigen Brand auslösen.

Die Luftbeobachter dürfen auch unter der Mindestflughöhe von 300 Metern unterwegs sein – in Absprache mit der Flugsicherung, erklärt Lohde. Weil es momentan sehr staubig ist, sei das häufig nötig. Sobald die Luftbeobachter eine Rauchsäule entdeckt haben, alarmieren sie über Funk die Leitstelle und helfen dabei, die Einsatzkräfte zur Feuerstelle zu lotsen. Danach geht der Flug weiter – manchmal bis in die Abendstunden. „Das sind anstrengende und sehr heiße Stunden im Cockpit“, sagt Lohde.

Grundsätzlich habe Bayern ein sehr gutes und kostengünstiges Beobachtungssystem aufgebaut, dass bei erhöhten Warnstufen schnell hochgefahren werden kann. Geflogen werden die Maschinen von privaten Piloten. Die Flugzeuge gehören ihnen oder Vereinen. Feuerwehrler, Forstmitarbeiter oder Mitarbeiter des Landratsamtes können sich für die Luftbeobachtung ausbilden lassen – und sind dieses Jahr bereits darauf eingestellt, dass es wieder etliche Einsätze geben wird.

Aktuell kann der Deutsche Wetterdienst jedoch etwas Entwarnung geben. Denn ab Freitag ist es erst einmal vorbei mit dem Sommer im Frühling. Die Temperaturen werden dann auf etwa zehn Grad sinken – und es wird schauerartige Regenfälle geben, kündigte der Meteorologe Guido Wolz an. „Es wird genug regnen, damit sich die Lage wieder etwas entspannt.“ Und die nächste Hitzephase ist noch nicht in Sicht.

Allerdings wird es der Regen auch nicht mehr schaffen, die April-Bilanz zu normalisieren. „Es war für diese Jahreszeit bayernweit viel zu trocken“, betont Wolz. In der Fläche seien gerade mal zehn Liter pro Quadratmeter gefallen. Normal wären 70 Liter. In München liegt der Niederschlag sogar nur bei zwei Litern – dort ist es der trockenste April seit dem Jahr 1893 gewesen. „Die Natur konnte das Defizit aus dem vergangenen extrem trockenen Sommer noch nicht ausgleichen“, erklärt Wolz. „Das sind schlechte Startbedingungen. Wenn es so weitergeht, müssen wir wieder mit einem extrem trockenen Sommer rechnen.“

Alarmstimmung herrscht unter Bayerns Bauern. Auf den Äckern und Feldern fehlt das Wasser. „Der Raps geht langsam in die Blüte, aber er ist nicht einmal kniehoch“, sagt Markus Peters vom Bayerischen Bauernverband. Normalerweise müsste er hüfthoch sein. Seit der Aussaat im Herbst fehle Wasser. Auch für Zuckerrüben und Mais, die jetzt zum Keimen Wasser benötigen, sei es viel zu trocken. Auf den Wiesen falle vermutlich der zweite Schnitt aus – damit fehlt Futter für die Kühe. Nicht einmal der viele Schnee, der im vergangenen Winter gefallen ist, habe den Grundwasserpegel ausgleichen können. Das Problem ist laut Peters die Kombination der Extremjahre: Schon 2018 sei auf vielen Höfen das Futter knapp geworden, Notlager mussten angebrochen werden. Die Bauern hatten darauf gesetzt, dass in diesem Jahr wieder etwas Normalität auf den Betrieben einkehren würde – „und in diese Situation kommt nun wieder diese Trockenperiode, die wieder an die Reserven geht“. Die Landwirte hofften dringend auf Niederschläge, die Linderung bringen – „und vor allem, dass es im Jahresverlauf immer wieder Regen gibt, um zu verhindern, dass die jetzt schon viel zu trockenen Böden weiter austrocknen und die Pflanzen Schaden nehmen“.

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