Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Thomas Becher, 54, lebt sein ganzes Leben in Epfach im Kreis Landsberg. Der Industriemeister ist verheiratet, hat zwei Töchter und seit Kurzem eine kleine Enkelin. In Epfach kennen ihn alle unter dem Spitznamen „Smith“.
Herr Becher, wie lebt es sich in Epfach?
Angenehm ruhig. Wir sind ein kleines Dorf mit 680 Einwohnern. Wir haben viel Natur und Ruhe mit dem Lech, der beinahe durchs Dorf fließt. Unser Bäcker macht hervorragende Brezen, unser Wirt kann gut kochen. Wir leben in netter Nachbarschaft, in der man sich hilft. Man fühlt sich gut aufgehoben.
Epfach wird von der Gemeinde Denklingen mitverwaltet. Wie fühlt sich das an?
Da gibt es Kritiker. Vor etwa 30 Jahren wollte man sogar unabhängig werden. Im Nachhinein bin ich gar nicht so traurig, dass es nicht geklappt hat. Uns geht es nicht schlecht: Denklingen hat mit der Firma Hirschvogel, wo ich arbeite, einen großen Arbeitgeber vor Ort – und dementsprechend finanziellen Spielraum. Ich war selbst früher Gemeinderat und muss sagen: Mit den Denklingern kann man zusammenarbeiten. Schade nur, dass momentan kein Epfacher drin sitzt. Ich hoffe, dass sich das 2020 ändert.
Epfach ist als Römersiedlung eigentlich älter als Denklingen.
Ja, wir haben sogar ein Museum: winzig, aber liebevoll gemacht. Da schauen die vielen Radtouristen gerne rein. Wir liegen nämlich direkt an der Via Claudia: die alte Römerstraße von Augsburg nach Verona. 1986 haben wir 2000 Jahre Epfach gefeiert: Ich glaub, das war das geilste Fest, das ich hier je erlebt habe! Vom Kleinkind bis zum Opa haben da alle mitgefeiert.
Was ist heute das wichtigste Fest?
Das sehen die Leute unterschiedlich. Für manche ist es das Weinfest, für andere das Römerstraßenfest. Für mich, der ich seit 25 Jahren im Faschingsclub bin – davon zehn als Präsident –, ist es unser Faschingsumzug. Und es gibt unser Pfarrfest, das immer im Wechsel am Pfarrhof oder auf dem Lorenzberg stattfindet. Da wird gegrillt, es gibt Bier, Blasmusik, Kaffee und Kuchen sowie Stockbrot und Spiele für die Kinder.
Was ist das für ein Ort, der Lorenzberg?
Ein Hügel mit einer historischen Kapelle, etwa 300 Meter vom Dorfrand. Der bietet einen herrlichen Blick aufs Dorf und auf die Lechauen. Ein Ort, an den man sich zurückziehen kann, wenn man noch mehr Ruhe möchte. Am letzten Sonntag im April wird dort die Fischermesse gefeiert: Da ist bei uns das Anfischen am Lech.
Sind Sie auch Lechangler?
Seit fünf Jahren. Zu Beginn der Saison gibt es zwar ein wenig Gerangel um die besten Fischplätze, aber dann geht’s gut. Im Lech gibt es Bachforellen, Regenbogenforellen, Hechte, Huchen und viele andere Arten. Im letzten Jahr hab ich einen Huchen mit 94 Zentimetern rausgeholt – der hat vielleicht geschmeckt!
Interview: Klaus Mergel