MASSGESCHNEIDERT

Rare Sprüch

von Redaktion

„Dere Dere“ sagt der Erwin, wenn er sich verabschiedet. Da kommt natürlich bloß ein Einheimischer drauf, dass damit die doppelte Fassung von „Habe die Ehre“ gemeint ist. Der Erwin spricht aber außer Bairisch auch noch fließend Englisch, zumindest wenn er sich mit „Senkfuß very Quatsch“ bedankt.

So hat halt jeder seine Sprüche. Der Sepp sagt z.B. bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit: „Wenn die Kuh das Gras nicht frisst, dann lassen wir die Wiese betonieren!“ Und der Anderl: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch nicht Andreas zu.“ Noch vom alten Schlag ist die Tante Fanny, die sich bezüglich des Treibens der jüngeren Generation Sünden fürchten tät – „Sünden daad i ma fürchtn“, der es andererseits aber völlig gleich ist, was die Leute über sie reden: „Was’s hinter meiner sagn, des sagn’s zu meim Woaßtschowas.“

Neben solchen sprachlichen Extravaganzen verfügen viele echte Bayern auch noch über althergebrachte Alltagsfloskeln, die sie geschickt in ihre Gegenrede einflechten. „Geh, lass mi aus“, meint der Schorsch zu seinem Gesprächspartner, wenn der ihm Überraschendes oder Unzumutbares mitzuteilen hat, obwohl der überhaupt keine Anstalten macht, ihn festzuhalten.

Andere sagen bei so einer Gelegenheit „Ja pfüatigood scheene Gegend“, auch wenn überhaupt keine Gegend vorhanden ist, von der man sich verabschieden könnte. In ähnlicher Situation ist auch noch „Da legst di nieder“ üblich. Von einem streitlustigen Ehepaar hört man wechselweise die Ausrufe „ja eahm schaug o“ und „ja sie schaug o“. Sind die gegenseitigen Zumutungen besonders stark, werden sie noch mit einem abschließenden „ja spinn i?“ abgeschlossen.

„Geh weida“, sagt das Annamierl und meint damit, die Kathi solle unter allen Umständen stehen bleiben und ihr noch mehr Interessantes aus der Nachbarschaft erzählen, wenn sie den Redefluss der anderen auch immer wieder mit einem „hör auf“ unterbricht. Und je mehr ihr die Ratschkathl an Einzelheiten berichtet, umso öfter fügt sie noch ein „wasd net sagst“ hinzu.

„Lass di net schwoam“, ermahnte mich die Großmutter, wenn ich mit meinem Schusser-Sackl in den Hof zu den anderen Banditen ging. Wenn sie mich trotzdem gschwoabt“, also untergekriegt und mich um meine Schusser gebracht hatten, las mir das die Großmutter bei der Rückkehr gleich am Gesicht ab – weil ich entweder dreinschaute wia da Goaßpeterl oder wiara Schwaiberl, wanns blitzt oder auch wia wenn ma d’ Henna s’Brot gsohln hän. Viele dieser überkommenen Redensarten sind in den letzten Jahrzehnten unwiederbringlich verloren gegangen und weitere werden wohl in absehbarer Zeit in den großen Sack des Vergessens fallen. Nur der älteren Generation sind sie noch geläufig, während die Jüngeren ihren Sinn und Hintersinn schon kaum mehr kennen.

An dieser Stelle schreibt unser Turmschreiber

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