München – Als Vanessa Höss ein kleines Mädchen war, hat ihr Opa sie immer zum Huttag in ihrer Heimatstadt Lindenberg (Kreis Lindau) mitgenommen, bei dem alle zwei Jahre die Königin gekürt wird. „Ich hab die Frauen mit ihren tollen Hüten bewundert“, sagt sie. „Und zu meinem Opa hab ich gesagt: Das will ich auch mal machen!“ Heute ist Vanessa Höss 25 und Deutsche Hutkönigin.
Die Studentin ist im Wortsinn ein gekröntes Haupt: Sie repräsentiert das Hutmacherhandwerk, aber auch ihre Heimat, die als Hutstadt bekannt ist. Ihr Amt ging aus dem Titel „Lindenberger Hutkönigin“ hervor, und sie ist nicht nur die bislang jüngste, „sondern auch die erste, die auch aus Lindenberg kommt“. Sie tritt bei Veranstaltungen auf, wirbt aber auch ganz modern für den Hut: Auf ihrer Facebook-Seite zeigt sie den „Hut der Woche“ samt passendem Outfit. Ihren Lieblingshut hat sie selbst entworfen und bei ihrer Wahl vor genau einem Jahr getragen: ein sogenannter Fascinator mit langen roten, gelben und schwarzen Federn.
Vanessa Höss ist eine von vielen Majestäten, die es heute in Bayern gibt. Eine genaue Zahl aller Titel gibt es nicht, allein in der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen sind derzeit 34 bayerische Monarchinnen organisiert. Apfelkönigin, Spargelkönigin, Zwiebelkönigin: Kaum ein landwirtschaftliches Produkt im Freistaat, das heute ohne Markenbotschafterin auskommt. Doch wie im Fall von Vanessa Höss, deren Familie in der Hutindustrie daheim ist, sind die feschen jungen Damen nicht einfach nur Schönheitsköniginnen.
Bayerns Mehlkönigin Martina Knecht stammt aus der ältesten Bio-Mühle Deutschlands. Heuwiesenkönigin Anna Häfele aus Pfronten (Kreis Ostallgäu) ist Landwirtin – sie steht in den Startlöchern, den Betrieb ihrer Eltern zu übernehmen. Die Apfelkönig des Dachauer Landes, Corinna Wolf, kommt aus einem Obstbaubetrieb.
Als Oberpfälzer Teichnixe regiert Sophia Bächer über das „Land der tausend Teiche“. Ihre Familie betreibt eine Teichwirtschaft, sie haben ein Fischlokal und vermarkten ihre Produkte direkt. Fragen zum Thema kann die 19-Jährige spielend beantworten. Sie hat ihr Amt sozusagen in Erbmonarchie erhalten: „Meine Vorgängerin war meine Schwester Lena“, erzählt sie. Dadurch wusste sie schon, was als Nixe auf sie zukommt: Wie ihre Amtskolleginnen absolviert sie während ihrer Regentschaft viele Auftritte. Das königliche Gewand der Teichnixe ist dabei ein besonderer Hingucker. „Jede Nixe bekommt ein neues Kleid geschneidert“, sagt sie. „Das Besondere ist, dass Fischleder darin eingearbeitet ist.“ Bewunderung ist ihr schon deshalb gewiss.
Auch Vanessa Höss gefällt es, wenn sie und ihre Hüte mit Staunen betrachtet werden. „Besonders wenn Kinder mich anschauen und dabei strahlen, fühle ich mich in meine eigene Kindheit zurückversetzt.“ In die Zeit, als sie an der Hand ihres Opas selbst die Hutkönigin bewunderte.
Die Wahl
zur Bayerischen Milchkönigin findet am morgigen Dienstag, 7. Mai, statt. Die Bierkönigin wird am Donnerstag, 16. Mai, gekürt.