UNSERE HEIMATSPITZE

Teufelspakte in Oberbayern

von Redaktion

VON BEZIRKSHEIMATPFLEGER NORBERT GÖTTLER

Dass auch im frommen Altbayern metaphysisch nicht alles mit rechten Dingen zuging, ist hinreichend belegt. Da wurde schon mal beim Kartenspiel der „Sparifankerl“ beschworen, den Kindern der diabolische „Krampus“ angedroht oder die neu gekaufte, aber untüchtige Dreschmaschine als „vermaledeites Teufelszeug“ verflucht.

Dass aber auch hierzulande Bünde mit dem Leibhaftigen höchstselbst geschlossen wurden, ist nicht jedermann bekannt. Die Versuchung des Menschen, durch unredliche und unheimliche Mittel Wissen, Macht und Ruhm zu erlangen, ist halt universell, uralt – und brandaktuell zugleich. Spuren ihrer literarischen Bewältigung finden sich auch in unserer Nähe.

Der Prototyp aller Teufelsbündler war Georg Helmstädter, besser bekannt, seit Goethes Zeiten, als Dr. Heinrich Faust. Georg Helmstädter wurde zwar wahrscheinlich in Hessen geboren, trieb sich aber auch an den bayerischen Universitäten Bamberg und Ingolstadt herum. Noch mehr bayerischer Bezug findet sich bei Adrian Leverkühn, dem unheimlichen Komponisten, der in Thomas Manns gleichnamigem Roman durch intensive Gespräche mit dem Gottseibeiuns zum „Doktor Faustus“ mutiert, und das alles nicht zuletzt in München und Freising sowie in dem alten oberbayerischen Klosterort Polling – einem der Wohnsitze der Familie Mann.

Auch Klaus Mann, der in München geborene Sohn von Thomas Mann, greift das Motiv des Teufelspaktes auf, und zwar in seinem Roman „Mephisto“ (1936), in dem er seinen früheren Freund Gustaf Gründgens wegen dessen Opportunismus gegenüber dem Nazi-Reich des Teufelspaktes bezichtigt. Dass Gründgens und seine Nachkommen das als nicht besonders schmeichelhaft empfanden, liegt auf der Hand, und so kam es 1971 zur berüchtigten „Mephisto-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichtes, die dem Nymphenburger Verlag den weiteren Vertrieb des Buches untersagte. Was bezüglich der Verbreitung des Buches im Übrigen genau das Gegenteil bewirkte.

Aber das ist ja immer so, wenn etwas mit dem Teufel zugeht! Nymphen hin, Nymphen her!

Mehr zum Thema in der Ausstellung „Faust in Oberbayern. Teufelspakt und Erlösung“, die noch bis zum 2. Juni in der Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters Benediktbeuern stattfindet.

Artikel 1 von 11