Glonn – Die Gewitterwolken verziehen sich und am Himmel blitzt das Blau durch. Um 11.16 Uhr rollt am Freitag ein schwarzer Audi A 8 auf dem Schotterweg heran. Endlich! Die Besucher jubeln. Denn in dem Auto sitzt Prinz Charles (70). Der britische Thronfolger gilt als „Prinz Öko“; er engagiert sich seit Jahren für Umweltschutz und Bio-Landbau. Vor Aufregung über den hohen Besuch schneidet sich Wurstverkäuferin Monika Höher (57) in den Finger. Seit 28 Jahren arbeitet die Grafingerin im Hofladen der Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn (Kreis Ebersberg). Prinz Charles probiert bei ihr schwarze Salami, Pfefferbeißer und Fenchelsalami.
Der britische Thronfolger nimmt einen Hahn auf den Arm, begutachtet mit Seniorchef Karl Ludwig Schweisfurth eine Bienenkönigin und lässt sich von dessen Enkelin Sophie Schweisfurth, der aktuellen Chefin, erklären, wie Herrmannsdorfer seine Produkte selbst vermarktet.
Charles’ Wunsch ist hier allen Befehl – und so kommt Adrian Schäfer (20) zu unerwarteten Ehren. Eigentlich interessiert er sich gar nicht für Königshäuser, gesteht der 20-Jährige. Doch nachdem er mit Charles über die matschige Weide gestapft war, ist er ein ganz großer Fan des britischen Prinzen. „Er ist bodenständig und interessiert sich tatsächlich“, staunt Schäfer: „Ich habe festgestellt, dass nur, weil jemand ein Royal ist, muss er nicht abgehoben oder komisch sein.“ Charles – selbst passionierter Biobauer – hatte ausdrücklich darauf bestanden, sich die Herrmannsdorfer Weidehaltung von einem Lehrbuben oder einem Nachwuchsbauern erklären zu lassen.
Herzogin Camilla kommt um kurz vor 12 Uhr nach, sie besuchte zunächst in München noch die Beratungsstelle Imma, die Mädchen und junge Frauen unterstützt, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. In Glonn macht Camilla gemeinsam mit Kindergartenkindern in der Bio-Bäckerei einen Brezenbackkurs. Sie ist begabt, schon im zweiten Anlauf gelingt ihr eine hübsch geformte Breze.
Sehnlich auf Charles gewartet hat der Münchner Regisseur Bertram Verhaag. Der 74-Jährige hat bereits vor drei Jahren mit Charles gedreht, und zwar den Film „Der Bauer und sein Prinz“. Doch den hat Charles noch nie gesehen, denn in Großbritannien ist es verboten, den Film, den in Deutschland 40 000 Kinobesucher sahen, zu zeigen oder auf DVD zu verkaufen. „Warum, das weiß ich nicht, ich vermute, weil Charles ein paar Seitenhiebe auf die konventionelle Landwirtschaft austeilt, was mächtigen Lobbyisten nicht passte“, spekuliert der 74-jährige Filmemacher. Er übergibt Charles eine DVD und einen persönlichen Brief – und bekommt das Versprechen, dass sich der Presseoffizier von Charles melden wird.
Überhaupt ist der Prinz sehr verbindlich: Bayerns Landwirtschaftsministerin nimmt begeistert seine Einladung auf seine Biofarm in England an. „Das ist eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen werde“, sagt Michaela Kaniber. Auch nach Glonn will sie bald wiederkommen, verspricht sie.
„Dass die ökologische Landwirtschaft die Herzensangelegenheit eines Monarchen ist, fasziniert mich“, sagt der Grafinger Biolandwirt Johann Obermaier. Hubert Heigl, Vorsitzender der Vereinigung ökologischer Landbau, gelingt es, Charles einen Body mit dem Naturlandlogo zu schenken – für Archie, Charles’ jüngstes Enkelkind. Der Sohn von Prinz Harry und Herzogin Meghan kam am Montag auf die Welt.