Im Leben ist es nie zu spät, neu anzufangen. Das verkörpert Karl Ludwig Schweisfurth, Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Nach einer Metzgerlehre sammelte der heute 89-Jährige Erfahrungen auf Schlachthöfen unter anderem in Chicago in den USA. Er studierte, übernahm in dritter Generation das Schweisfurth-Unternehmen mit der Marke Herta. 1984 schmiss er alles hin, verkaufte und wurde Biobauer. Am Freitag plauderte er mit Prinz Charles und rauchte danach eine Zigarre.
Wie kommt es, dass Sie Prinz Charles und Herzogin Camilla hier auf Ihren Hof locken konnten?
Ich bin wirklich stolz. Denn Charles hat betont, sein wichtigster Besuch in Bayern sei der bei den Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Er hat sein Protokoll extra um viel Zeit bei uns gebeten. Mein Sohn Georg kennt ihn durch die Dreharbeiten zu dem Kinofilm „Der Bauer und sein Prinz“. Letztlich angeleiert hat den Besuch meine Enkelin Sophie, die in Oxford studiert hat und perfekt Englisch spricht. Ich bin seit Tagen aufgeregt und habe mich richtig auf den Besuch gefreut. Es war toll, die Freude wird noch lange anhalten.
Haben Sie die Hand von Prinz Charles geschüttelt?
Nicht nur das. Ich habe ihm eine Bienenkönigin gezeigt und hatte Zeit, ihm im Bienengarten eine ganz persönliche Botschaft zu übermitteln. Er hat mir sieben Minuten lang sehr interessiert zugehört.
Was haben Sie ihm denn alles gesagt?
Es waren meine persönlichen Weisheiten. Die erste und die wichtigste: Übertragen Sie alle geschäftlichen Angelegenheiten auf die junge Generation, und zwar rechtzeitig. Bauern und Handwerker verpassen hier den richtigen Zeitpunkt. Ich habe es geschafft, Chefin ist meine Enkelin Sophie. Mir geht es sehr gut dabei. Ich studiere Philosophie und denke darüber nach, wie man Gutes noch schöner und besser machen kann. Damit sind wir schon beim zweiten Punkt: Nur ein schöner Bauernhof ist ein guter Bauernhof. Nur eine schöne Metzgerei ist eine gute Metzgerei. Diesen wichtigen Satz sollten sich viele Berufsgruppen hinter die Ohren schreiben.
Wie man sieht, sammeln Sie Kunst und genießen das Leben, gönnen sich zum Beispiel eine Zigarre.
Ohne Kunst wäre das Leben ein Irrtum. Und ich rauche eine Havanna, denn das Leben ist zu schön und kurz dafür, schlechte Zigarren zu rauchen, schlechte Lebensmittel zu essen und schlechten Wein zu trinken.
Wie kamen Sie als Erbe eines großen Betriebs der Fleischindustrie zum Bio-Landbau?
In den 1980er-Jahren gehörte Herta zu den 100 größten Fleischbetrieben, wir haben Europa mit Wurst und Fleisch gefüttert. Mein Schlüsselerlebnis war der Blick der Schweine in einem Großbetrieb in Westfalen. Sie schauten mich an, als würden sie fragen: „Was machst Du mit uns?“ Das ging mir so unter die Haut, dass ich Herta verkaufte und neu anfing. SUSANNE SASSE