MASSGESCHNEIDERT

Mailese

von Redaktion

So eine Warnung ist den übrigen Monaten fremd. Man höre: Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Und der Maßschneider ergänzt: Da bleibe, wer Angst hat, am liebsten zu Haus.

Halt, werden da jetzt viele rufen, du bist ja total auf dem falschen Dampfer, interpretierst die Worte völlig falsch. Nicht nach Lebenden schlagen sie aus, die Bäume, sondern zu unserer Genugtuung sprießt und sprosst das Laubwerk und auch Amsel, Drossel, Fink und Star und die übrige Vogelschar zwitschert über das Laubwerk freudig und übt den Nestbau.

Uns Menschen ist das Blattgrün ein willkommenes Signal, dass wir den Winter abhaken können. Und was ist mit den drei Eisheiligen und der kalten Sophie? Die haben wir noch immer ohne Frostzehen überstanden.

Nur Banausen vergreifen sich jetzt zu dem naseweißen Spruch: „Jetzt hoit doch endlich amoi dei Mai, du vorlauter Mai!“ Dabei beobachten wir mit Genugtuung, wie es der 5. Monat überall blühen und grünen lässt.

Am 1. Mai haben wir den Tag der Arbeit mit gemütlichem Nichtstun gefeiert, sofern wir uns nicht zu einer Maikundgebung versammelt haben. Und auf Dorfangern, Marktflecken sind die Maibäume, anfänglich begleitet von Blasmusik und Maitanz und von Lederhosen, Haferlstrümpfen und Dirndlgewand umrahmt und, wenn sie die Diebe zurückgebracht haben, durch männliche Muskelkraft aus dem Boden gewachsen, wo sie nun das ganze Jahr über Symbol der Bodenständigkeit bleiben werden.

Nicht vergessen, ihr Bamsen, an diesem Sonntag, den 12. Mai, wird Muttertag gefeiert. Lasst Blumen sprechen und zapft euer Taschengeld gebührend an.

Wenn es dem Wonnemonat einfiele, uns Wonneschauer über den Rücken zu jagen, so stellen wir unseren Buckel jederzeit zur Verfügung.

Und wenn es den Spatzen einfallen sollte, uns im Biergarten von den Kastanien herunter nachzuschenken, dann wünschen wir ihnen baldige Verstopfung, wenn wir nicht zur Vorsicht den Bierdeckel auf den Masskrug gelegt haben.

Für Freizeitsportler wird es nun höchste Zeit, die Radsaison zu eröffnen. Nicht zur Tour de France, wo wir schnell im Besenwagen landeten, starten wir, sondern zur Tour de Bavarese.

Frische Luft haben wir bereits in die schlappen Schläuche gepumpt und den Treteseln nicht die letzte Ölung, sondern die erste verpasst. Dass wir den sonnigen April meist ungetreten ungenutzt verstreichen ließen, sei uns verziehen.

An dieser Stelle schreibt unser Turmschreiber

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