Passau/Wittingen – Bei den Ermittlungen zu den Todesfällen in Passau und im niedersächsischen Wittingen ist die Polizei einen Schritt voran gekommen. Sie konnte die Identität der beiden toten Frauen klären, die am Montag in einer Wohnung gefunden worden waren. Dabei handelt es sich zum einen um die 35-jährige Deutsch- und Religionslehrerin Gertrud C. der örtlichen Grund- und Oberschule. Sie lebte in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit Farina C. (30), erklärte der Gifhorner Polizeisprecher Thomas Reuter. Farina C. ist eine der Toten, die in der Passauer Pension gefunden worden waren. Sie starb wie die beiden anderen Toten in der Pension durch Armbrust-Pfeile.
Bei der zweiten toten Frau in der Wohnung in Wittingen handelt es sich um die 19-jährige Corina (oder Carina?) U.. Eine der Fragen, die Polizei und Staatsanwaltschaft klären wollen, ist die Beziehung von U. zu dem Pärchen Gertrud und Farina C. Durch die Medien wabern die wildesten Gerüchte, wonach U. seit 2016 von ihren Eltern vermisst werde und über einen Kampfsportverein zu einer Mittelalter-Fanszene fand, die sich um einen kleinen Laden namens „Milites Conductius“ in Hachenburg/Rheinland-Pfalz formiert hatte. Von „Milites Conductius“ führt die Spur zur „International Jousting League“, die offensichtlich eher virtuell denn real existierte und im Internet ein Team Deutschland auflistete. Vier der fünf Toten sind auf dieser Liste aufgeführt, neben Farina C. und den beiden anderen Passauer Toten Torsten W. (53) und Kerstin E. (33) auch die 19-Jährige.
Auch die Ermittlungen zu den Passauer Toten laufen weiter. Die Obduktion der Leichen ergab, dass der 53-Jährige und die 33-Jährige in einem Bett jeweils durch einen Schuss ins Herz getötet wurden. Weitere Schüsse in den Kopf wurden erst danach abgegeben. Bei der 30-Jährigen war demnach ein Schuss in den Hals, vermutlich mit einer kleinen sogenannten Revolver-Armbrust abgegeben, sofort tödlich. Es deute alles darauf hin, dass Farina C. erst die beiden Begleiter und dann sich selbst erschossen habe. Man könne das als erweiterten Suizid betrachten. Zudem wurden in dem Pensionszimmer zwei Testamente gefunden. Sie stammen von den beiden im Bett liegenden Personen, sagte der Passauer Staatsanwalt Walter Feiler.
Schwieriger zu klären ist die Todesursache bei den Toten in Wittingen. Klar ist laut Polizeisprecher Thomas Reuter: In der Wohnung hat es kein Gewaltverbrechen gegeben. Die Spurenlage gebe „keine Hinweise auf Gewalt- oder Fremdeinwirkung“. Die Leichen lagen laut Polizei schon „einige Tage“ in der Wohnung. D.WALTER/H.BODEN