UNSERE HEIMATSPITZE

Familie Gänswürger von Deppenhausen

von Redaktion

VON BEZIRKSHEIMATPFLEGER NORBERT GÖTTLER

Wenn man nicht grad ein Hochwohlgeborener war und mit Jagd, Festschmaus und höfischem Lustspiel seine notorische Langeweile bekämpfen konnte, dann mussten unsere Vorfahren zu den kleinen Freuden des Lebens zurückgreifen, die da hießen: die Bewohnerschaft von Nachbardörfern „derbläcken“ und ihnen möglichst ehrabschneidende Bezeichnungen andichten. Die schönsten Ortsnamen sind auf diese Weise entstanden und die jeweiligen Bürgermeister kommen gar nicht nach, ihre Ortsschilder neu anschrauben zu lassen, so schnell sind sie wieder von Souvenirjägern geklaut.

Die Rede ist von Orten wie Deppenhausen und Narrenhofen, Schupfalaich und Laushofen, Sixtnitgern und Übelmanna. Alles Dörfer, die man auf der heimatlichen Landkarte findet oder zumindest fand. Sogar einen Ort namens Satanshausen gab es, die Satanshausener haben sich aber unter Zuhilfenahme des heiligen Erzengels Michael, der schon immer was gegen den Leibhaftigen hatte, rechtzeitig in Michelskirchen umbenannt.

Dass auch die Ortsschilder von Petting und Fucking bei Sammlern beliebt sind, gehört jetzt nicht hierher. Schon eher, dass nicht nur dörfliche Gemeinschaften Opfer übler Nachrede waren, sondern auch Familien und Einzelpersonen. Nicht anders ist es zu erklären, dass sich heute noch im oberbayerischen Telefonbuch folgende Familiennamen finden: Angstwurm, Bierdimpfl, Gänswürger, Fingerhut, Hasenei, Hundgeburt, Kotzwinkel, Magersuppe, Morgenschweiß, Rattenglück, Siebenhärl, Ungeheuer und Katzenellenbogen.

Gell, jetzt sind’s wieder froh, dass Sie Meier oder Müller heißen und nicht in Deppenhausen wohnen!

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