Reifeprüfung auf dem Acker

von Redaktion

Alle zwei Jahre misst sich der landwirtschaftliche Nachwuchs beim Berufswettbewerb der Landjugend. Im Bundesfinale hat sich Martin Löbert aus dem Landkreis Ebersberg durchgesetzt: Mit Lupe, Klemmbrett und Geschick am Lenkrad.

VON DOMINIK GÖTTLER

Landsberg – Martin Löbert steht mitten in einem Weizenfeld am Ortsrand von Landsberg und packt die Lupe aus. Damit inspiziert er die Blätter einer der Winterweizenpflanzen. „Mehltau, eindeutig“, sagt er. „Aber schwarze Punkte, die auf eine Septoria-Blattdürre hinweisen würden, sehe ich keine.“ Hier spricht der Fachmann.

Martin Löbert ist erst 19 Jahre alt, aber beim Berufswettbewerb der deutschen Landjugend hat es der Hergoldinger (Kreis Ebersberg) bis ins Bundesfinale geschafft – als einziger Oberbayer in der Sparte Landwirtschaft. Bei dem Wettbewerb, dessen Finale heuer unter anderem in der Ammerseeregion ausgetragen wurde, misst sich der Nachwuchs der grünen Berufe in den Sparten Haus-, Forst-, Land- und Tierwirtschaft sowie im Weinbau. Seit Anfang Februar laufen die Regionalentscheide, von anfangs mehr als 10 000 Teilnehmern haben sich am Ende 116 für das Bundesfinale qualifiziert. Einer davon ist Martin Löbert.

An diesem sonnigen Nachmittag steht für ihn die Bonitur auf dem Prüfungsplan. Heißt: Er muss ein Weizenfeld auf Reife, Schädlinge, Krankheiten und diverse weitere Faktoren untersuchen. 20 Minuten hat er Zeit, um sich den Acker und die Pflanzen darauf ganz genau anzusehen. Danach schildert er den Richtern seine Beobachtungen. Ein paar kritische Nachfragen später hat er es geschafft. Erste Einschätzung? „Diffus“, sagt er vorsichtig und lächelt. Zuvor musste er bereits zehn kleine Unkrautpflänzchen in einem Blumenkasten erkennen. Beim Ackerhohlzahn scheiterten besonders viele Kandidaten, auch Löbert ist sich nicht bei jedem Kraut sicher. Rückmeldung über seine Leistung bekommt der 19-Jährige erst einmal aber nicht. Es geht gleich weiter zur nächsten Aufgabe. Auf zum Maishäcksler.

Auf dem Gelände der Maschinenschule des Agrarausbildungszentrums Landsberg ist jetzt Teamarbeit gefragt. Ein Teilnehmer fährt den Maishäcksler, der andere parallel den Traktor mit Anhänger. Mit dem muss schließlich auch noch rückwärts einrangiert werden. Danach werden die Rollen getauscht. Löberts Nervosität hält sich in Grenzen. Neben dem landwirtschaftlichen Betrieb hat sein Vater in Hergolding ein Lohnunternehmen für landwirtschaftliche Maschinen. „Wir haben Mähdrescher von der selben Marke zu Hause“, sagt Löbert. Das macht die Eingewöhnung leichter.

Seine Teampartnerin aus Sachsen-Anhalt ist da schon aufgeregter. Und tatsächlich geraten die beiden Maschinen in der Kurve kurz recht nah aneinander, was die Richter gleich zu einer Notiz auf dem Klemmbrett veranlasst. „Mein Fehler“, sagt Löberts Partnerin später selbstkritisch in der Nachbesprechung. Martin Löbert rangiert den Zehn-Meter-Anhänger routiniert in die mit Absperrband markierte Bucht, eingewiesen von seiner Partnerin. „Die Kommunikation hat gut funktioniert“, sagt er.

Zu große Ziele wollte sich Löbert vorab nicht setzen. Am Ende überraschte er sich selbst und gewann den Wettbewerb. Fünf Bayern erreichten die Top 3 in ihren Sparten. „Es geht auch um den Austausch mit den Kollegen“, sagt Löbert, der seinen Beruf derzeit in einem dualen Studium erlernt. Nach der Fahrt mit dem Maishäcksler war der Wettbewerb für den 19-Jährigen zu Ende. Auf den Bundessieger aus dem Kreis Ebersberg wartete noch die große Abschlussparty mit allen Teilnehmern – die aber ohne Lupe und Klemmbrett.

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