Raisting – Der Ammersee hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der Storch-Paradiese in Bayern entwickelt. 16 Storchenpaare legten heuer in Raisting (Kreis Weilheim-Schongau) Eier in einen Horst. Die Küken schlüpften, doch dann kam Ende Mai der Starkregen. Viele junge Störche überlebten die Wolkenbrüche vom 20./21. Mai nicht, bedauert die Schutzgemeinschaft Ammersee. Ähnliches ist vielerorts in Bayern geschehen.
Vor allem die großen Küken hatten es an diesen nassen Tagen schwer: Sie brauchen rund ein Kilogramm an Nahrung pro Tag. Doch einer der Altvögel bleibt an den Regentagen im Nest, um mit seinem Gefieder die Jungen abzuschirmen. Der zweite Elternvogel hat es schwer, mit regennassem Gefieder für genügend Nachschub an Fröschen, Mäusen und Insekten zu sorgen – viele der Beutetiere sind an Regentagen nicht unterwegs. So verhungern die Jungvögel schließlich. Die kleinen Küken, die später geschlüpft sind, überstanden die Regenfälle besser, denn sie können die Altvögel auch besser gegen Regen und Kälte abschirmen.
Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) rechnet für die Weißstorch-Saison heuer mit einer gemischten Bilanz. Die Regentage im Mai hätten vor allem den größeren Jungstörchen in Südbayern zugesetzt, regional starb teilweise die Hälfte der Jungvögel, bedauert Oda Wieding vom LBV.
Positiv sei aber, dass es auch in diesem Jahr wieder viele Neuansiedlungen in Bayern gebe, so Wieding: Bislang wurden 100 neue besetzte Horste gemeldet. Auch wenn der Bruterfolg wohl unter dem Durchschnitt bleiben werde, zeichne sich dennoch bereits wieder ein neuer Bestandsrekord für die bayerischen Weißstörche ab, sagte Wieding.
Da die starken Regenfälle vor allem Schwaben und Oberbayern trafen, wurden die höchsten Verluste aus diesen Regionen gemeldet – beispielsweise von südlich des Ammersees. Gute Nachrichten hingegen kamen etwa aus Nördlingen, wo sechs Junge im Nest zu beobachten seien – was laut LBV beachtlich ist, da Störche durchschnittlich nur vier Eier legen.
Für große Aufregung sorgte am Donnerstag die Kirchenverwaltung in Regenstauf (Landkreis Regensburg). Sie ließ ein Storchennest vom Dach einer Kirche entfernen. Und das unerlaubt. Der Landkreis hatte die dafür erforderliche Ausnahmegenehmigung nicht erteilt. Da der Weißstorch streng geschützt ist, kann dies mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Der zuständige Pfarrer Johannes Schottenhammel versichert, die Störche hätten noch nicht zu brüten begonnen – und erklärt, man werde im Herbst Ersatz für das Nest schaffen. Die Störche zeigten sich nach dem Entfernen des Nestes wieder auf dem Kirchendach, meldete der Bayerische Rundfunk. S. SASSE