Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Ramona Lindmeyr, 20, Bankkauffrau, lebt in Oberzeitlbach, einem kleinen Ort mit 379 Einwohnern in der Marktgemeinde Altomünster im Kreis Dachau. Sie ist dort aufgewachsen und hat vor Kurzem gemeinsam mit 21 anderen jungen Frauen einen Madlverein gegründet.
Wie ist es zum Madlverein gekommen?
Die Burschen hatten 2015 eine Fahnenweihe und viele von uns waren damals Festdamen. Wir waren auch danach noch oft dabei, wenn die Burschen unterwegs waren – aber irgendwann wollten wir Mädels unseren eigenen Verein. Als wir den Madlverein im März gegründet haben, waren wir 22 Mitglieder, jetzt sind wir schon 28. Bei uns kann jeder beitreten, der mindestens 16 Jahre alt und unverheiratet ist.
Gibt es in Oberzeitlbach viele Angebote für die Jugend?
Es gibt schon viele Vereine, bei denen man sich immer über Junge freut. Neben dem Burschen- und dem Madlverein kann man als Jugendlicher zum Beispiel zur Feuerwehr und den Schützen gehen oder Tennis spielen. Viele sind bei mehreren Vereinen dabei, so wie ich auch.
Was gefällt Ihnen an Oberzeitlbach?
Jeder kennt hier noch jeden und jeder grüßt jeden. Früher, als ich ein Kind war, war es zum Beispiel ganz selbstverständlich, dass ich immer bei den Nachbarn klingeln konnte. Ich fühle mich hier wohl und will so schnell nicht wegziehen. Wir haben einfach viele schöne Fleckerl hier.
Welche Fleckerl sind das zum Beispiel?
Natürlich der Maibaum und die Kirche. Neben der Kirche ist der „Zeidler-Brunnen“. Er erinnert daran, dass die Zeitlbacher früher „Zeidler“, also Imker, waren und im Bach die wilden Waldbienen getränkt haben. Es lohnt sich auch, mit dem Radl die schöne Umgebung und die umliegenden, kleineren Ortschaften zu erkunden.
Was raten Sie Bürgern, die in den Ort ziehen?
Sie sollen einfach kommen, wenn etwas los ist im Dorf. Fast jeder Verein hat bei uns sein eigenes Fest. Da ist es schön, wenn sich auch Zugezogene blicken lassen und nicht nur daheim im Kammerl sitzen bleiben.
Gibt es etwas, das den Oberzeitlbachern Sorge bereitet?
Ja, wir haben leider keine Wirtschaft mehr und auch der Pachtvertrag für das Gebäude, in dem momentan die Schützen und die Feuerwehr untergebracht sind, läuft Ende 2023 aus.
Wie könnte es dann weitergehen?
Wir hätten gerne ein Dorfgemeinschaftshaus, wo sich alle Vereine und Bewohner treffen könnten und Platz für Sitzungen oder Feiern wäre. Ideen dafür gibt es schon viele, die Vereinsvorstände haben sich bereits zusammengesetzt. Jetzt hoffen wir, dass das Projekt wirklich umgesetzt werden kann.
Interview: Claudia Schuri