München/Innsbruck – 30 Beamte, acht Kontrollstellen – die Tiroler Polizei macht Jagd auf Mautflüchtlinge und Schönwetter-Fahrer, die aus purem Spaß über Innsbrucker Landstraßen fahren. Wobei, das mit der Jagd hört Günther Platter, wortgewaltiger Landeshauptmann von Tirol, nicht so gern. „Wenn die Dörfer vom Ausweichverkehr derart verstopft sind, dass es nicht einmal mehr für die Rettungsdienste ein Durchkommen gibt, dann können wir nicht tatenlos zusehen“, rechtfertigt der ÖVP-Politiker die neue Gangart. Erstmals gibt es am heutigen Wochenende Fahrverbote auf dem niederrangigen Straßennetz im Großraum Innsbruck und dem Wipptal. Ab dem heutigen Samstag, 7 Uhr, wird an den Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn (A 12) sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A 13) kontrolliert – zumeist an den Verkehrskreiseln direkt nach den Ausfahrten. Die Brenner-Bundesstraße selbst ist von den Verboten nicht betroffen.
Einen ersten Testlauf gab es am vergangenen Donnerstag – und er verlief erfolgreich, sagt jedenfalls Günther Salzmann. Er ist stellvertretender Leiter der Landesverkehrspolizei Tirol und hat sich die Befragungen vor Ort angesehen. „Alle waren einsichtig“, betont der Verkehrspolizist. „Der ein oder andere brauchte allerdings ein längeres Gespräch.“ Kontrolliert wurden Auto- und Motorradfahrer, die auf Innsbrucks Landstraßen angetroffen wurden. Zum Beispiel nach der Abfahrt vom Zirler Berg bei der Gemeinde Kematen. „Da kamen am Donnerstag viele Motorradfahrer, das ist uns aufgefallen.“ Salzmann vermutet: „Motorradfahrer fahren lieber landschaftlich schöne und kurvige Strecken.“ Deshalb gab es hier viele Fragen. „Uns ist das Fahrziel wichtig“, nur wer angab, er sei Richtung Brenner unterwegs und wolle keinen Zwischenstopp etwa zum Essen in der Innsbrucker Altstadt einlegen, wurde auf die Autobahn gewiesen. Die Fahrt zum Wandern oder zu den Innsbrucker Pensionen bleibe auch am Wochenende „selbstverständlich“ erlaubt. „Wir hoffen auf die Vernunft, außerdem sieht man’s ja am Gepäck, ob jemand Italien-Urlauber ist.“ Kontrolliert, ob die Angaben stimmen, werde aber nicht. „Das geht nicht, dass wir den Leuten auch noch nachfahren.“
Für den politischen Schlagabtausch ist der Tiroler Verkehrspolizist Salzmann nicht zuständig. Zwischen München und Innsbruck herrscht Eiszeit. Erst die Blockabfertigung, die auch am Freitag wieder einen 20 Kilometer langen Stau auf der bayerischen Inntalautobahn produzierte, und jetzt noch die Kontrollen auf den Landstraßen – Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) spricht von „reiner Schikane“, auch der ADAC nennt die Fahrverbote „ein Unding ausgerechnet zur Urlaubszeit“.
Der Tiroler Regierungschef Platter erklärt dazu: „Nur weil unsere Nachbarn bei der Pkw-Maut eine empfindliche Niederlage einstecken mussten, sollen sie jetzt nicht die Beleidigten spielen, sondern mit uns aktiv an der Entlastung der Bevölkerung arbeiten.“ Tirol werde seinen Kampf gegen die massive Verkehrsbelastung auf jeden Fall fortsetzen, erklärte er. Die FPÖ fordert sogar, die Kontrollen noch auszuweiten – auf den Großraum Kufstein.
Die Fahrkontrollen werde es künftig an jedem Wochenende zwischen Samstag, 7 Uhr, und Sonntag, 19 Uhr, geben – und zwar bis 15. September. Auch eine Woche nach Ende der Sommerferien in Bayern wird also noch kontrolliert.