ICE-Katastrophe: Übung mit Schwachstellen

von Redaktion

Erfurt/München – Es war ein richtiges Horrorszenario, das die Bahn mit Rettungskräften am Wochenende im Fleckberg-Tunnel bei Goldisthal (Südthüringen) erprobte. Ein brennender ICE bleibt mitten im 1500 Meter langen Tunnel stecken, 300 Reisende sind zum Teil tot, zum Teil verletzt oder in Panik. So eine Katastrophe wird hoffentlich nie eintreten, erprobt werden muss sie schon. Unter der Leitung des Thüringer Innenministeriums simulierten über 1500 Einsatzkräfte, die aus elf Landkreisen und kreisfreien Städten stammten, das Unglück am Wochenende. Sie nutzten Wartungsarbeiten am Hauptbahnhof Erfurt – die Bahn musste neue Anlagen in das elektronische Stellwerksystem integrieren. Deshalb wurde am Wochenende ohnehin der Zugverkehr umgeleitet. Betroffen waren unter anderem ICE-Strecken von Hamburg und Berlin bis nach Nürnberg und München, von Dresden nach Wiesbaden sowie IC-Züge von Köln nach Gera. Auch Regionalzüge durften den Hauptbahnhof nicht passieren.

Trotz aller Vorbereitungen: Ganz reibungslos verlief die Übung nicht. Sie musste am Samstag sogar abgebrochen werden, weil es nicht gelang, in der vorgesehenen Zeit alle 60 verletzten Passagiere in Kliniken zu bringen. Ihre Erstversorgung im Bereich vor dem Tunnelportal und der Weitertransport dauerte nach einem Bericht des MDR zu lange. „Die Abläufe müssen wir uns noch einmal genau ansehen“, erklärte Marc Stielow, der Leiter Gesamtkoordinierung Gefahrenabwehr im Thüringer Innenministerium, gegenüber dem Sender.

Schwierig war es demzufolge auch, schockierte Reisende planmäßig aus der Gefahrenzone zu bringen. In dem Szenario stehen viele Reisende unter Schock, können aber selber laufen und machen sich zu Fuß auf den Weg aus dem verqualmten Tunnel. Die Menschen geordnet zu Sammelstellen zu bringen, ist aber Aufgabe der Feuerwehrleute und Rettungskräfte, die zuerst am Unfallort eintreffen. In einer ersten Bilanz wurden auch Defizite beim Digitalfunk und der Kommunikation mit Einsatzkräften der Psychosozialen Notfallversorgung deutlich. „Es gab Stellen an den Zufahrtswegen des Tunnels, wo keine 100-prozentige Funkkommunikation da war“, sagte Marc Stielow vom Innenministerium. Kriseninterventionsteams wurden nicht wie vorgesehen alarmiert. Zufrieden zeigte sich Stielow mit dem Einsatzkonzept. Rettungskräfte und Brandbekämpfer seien sehr schnell an dem Zug gewesen – in dem Tunnel mit Atemschutzgeräten und Ausrüstung keine leichte Aufgabe.  mm/lby

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