Augsburg – Die jahrelangen Bemühungen der Stadt Augsburg um eine Ernennung zum Weltkulturerbe haben sich gelohnt: Das Unesco-Welterbekomitee entschied am Samstag in Baku in Aserbaidschan, dass das historische Wassermanagementsystem der schwäbischen Stadt auf die renommierte Liste des Welterbes gesetzt wird. Das jahrhundertealte Augsburger System, zahlreiche Kanäle durch die Stadt zu ziehen und Wasser dadurch optimal wirtschaftlich zu nutzen, war in diesem Jahr die deutsche Hauptbewerbung.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem „guten Tag für den Kulturstandort Bayern“. Das jahrelange Engagement der Stadt sei belohnt worden. „Das ausgeklügelte System der Wasserbewirtschaftung über Jahrhunderte hat Augsburg Wohlstand gebracht. Heute steht intelligentes Wassermanagement für den nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen“, betonte Söder.
Kunstminister Bernd Sibler (CSU) verwies darauf, dass der Freistaat nunmehr mit acht Welterbestätten auf der Liste vertreten ist. Als erstes Denkmal aus Bayern war 1981 die Würzburger Residenz zum Weltkulturerbe ernannt worden, zwei Jahre später folgte die Wallfahrtskirche „Die Wies“ im Landkreis Weilheim-Schongau. Auch die Altstädte von Bamberg und Regensburg gehören heute zum bayerischen Welterbe.
Einen Rückschlag musste Bayern hingegen bei einer weiteren Bewerbung hinnehmen. Der ursprünglich aussichtsreiche Antrag, den Donaulimes in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn zum Weltkulturerbe zu erklären, scheiterte. Ungarn hatte den Antrag der vier Staaten zu den Überresten der einstigen römischen Militärgrenze kurzfristig abgeändert, das Komitee vertagte daher die Entscheidung. Erfolgreich war hingegen der dritte Antrag, an dem die Bundesrepublik beteiligt war. Die Montanregion Erzgebirge/Krusnohorí wurde ebenfalls als Weltkulturerbe anerkannt. Das historische Bergbaugebiet in Sachsen und Böhmen war gemeinsam mit Tschechien vorgeschlagen worden.
Auch Augsburg hatte gezielt auf Industrie- und Technikgeschichte gesetzt, nachdem klassische Baudenkmäler seit einiger Zeit von dem Unesco-Gremium nicht mehr so gerne aufgenommen werden. Acht Jahre lang hatte die 300 000 Einwohner große Stadt die Bewerbung vorangetrieben. „Mit der Auszeichnung des Augsburger Wassermanagement-Systems als Weltkulturerbe würdigt die Unesco einen unvergleichlichen Schatz, den die Stadt seit ihrer Stadtgründung birgt“, sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU).
Die Römer hatten Augsburg vor mehr als 2000 Jahren als wichtigen Stützpunkt nördlich der Alpen gegründet. Schon damals führten sie mit Leitungen Wasser in die Stadt. Augsburg hat in der Bewerbung insbesondere die Bedeutung der alten Lechkanäle im alten Handwerkerviertel dargelegt. Dort wurden die Wasserläufe früher genutzt, um mit Wasserrädern Maschinen anzutreiben. Ein weitereres Denkmal ist das rund 600 Jahre alte Wasserwerk am Roten Tor, nach Angaben der Stadt das älteste bestehende Wasserwerk Mitteleuropas.