Prinz marschiert 100 Kilometer für Afrika

von Redaktion

VON STEFAN REICH

München – Für Prinz Ludwig von Bayern sind die „Learning Lions“ eine Herzensangelegenheit. Der Ur-Urenkel des letzten bayerischen Königs hatte zwar schon Projekte in Afrika betreut. Doch seit er mit Bekannten dieses Ausbildungsprogramm für junge Kenianer ins Leben gerufen hat, verbringt er mehr Zeit in Kenia als in Bayern. Für dieses Herzensprojekt ist er auch bereit, körperlich an Grenzen zu gehen. Mit dem „Löwenmarsch“ über 100 Kilometer von Kaltenberg nach Neuschwanstein will er jetzt um Spenden werben.

Eine besondere Leidenschaft für solche sportlichen Herausforderungen hat der Prinz eigentlich nicht. „Aber Märsche, bei denen man 100 Kilometer in 24 Stunden zurücklegt, liegen im Trend“, sagt der Wittelsbacher. Da seien er und seine Mitstreiter spontan auf die Idee gekommen, mit so einem Marsch Geld für die „Learnings Lions“ einzusammeln. Sie begannen mit der Planung, die schneller vorankam als gedacht. „Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass es schon heuer klappt“, sagt Ludwig von Bayern. Jetzt hofft er, noch die Zeit zu finden, um sich mit ein paar längeren Wanderungen wenigstens ein bisschen vorzubereiten. Welche körperliche und mentale Herausforderung so ein Marsch von 100 Kilometern in 24 Stunden sei, „war mir anfangs gar nicht bewusst“, gesteht er.

Auch die Organisation ist noch nicht ganz abgeschlossen. Der genaue Routenverlauf wird erst zwei Wochen vor dem Start festgelegt. Klar ist aber, dass Ludwig von Bayern am 24. August in Schloss Kaltenberg aufbricht. Dort ist er aufgewachsen. Am Ammersee entlang, dann nach Wessobrunn und weiter zur Wieskirche soll sein Weg führen. Ziel ist das von König Ludwig II., einem Vorfahren des Prinzen, errichtete Schloss Neuschwanstein.

Der Wittelsbacher wünscht sich auf diesem Weg möglichst viele Begleiter. Wer mitgehen will, muss keine Teilnahmegebühr zahlen, sich aber bei der Anmeldung (im Internet unter https://löwenmarsch.de) verpflichten, dass er bis zum Tag des Marsches für Spendenzusagen von mindestens 100 Euro sorgt. Auf dem Weg wird es Stationen mit kostenloser Verpflegung und alle zehn Kilometer Kontrollpunkte geben, damit niemand unbemerkt verloren geht. Die Teilnehmer bekommen zudem GPS-Daten von der Route. Wer sich die vollen 100 Kilometer nicht zutraut, kann in Wessobrunn oder an der Wieskirche beginnen.

Ob er selbst durchhalten wird, weiß er noch nicht, sagt der 37-Jährige. Versuchen will er es. Auch wenn sich das Projekt „Learning Lions“ inzwischen mit Einheimischen ganz gut selbst managen könne, setze er sich weiterhin sehr gerne ein.

Begonnen hatte das Projekt mit einer Erkenntnis: Obwohl die Region Turkana eine der am wenigsten entwickelten Gegenden Afrikas ist, laufen dort im Norden Kenias ein paar Dinge fortschrittlicher als in Deutschland.

Die Menschen leben von der Landwirtschaft. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. „Dort gibt es fast nichts“, sagt Prinz Ludwig. „Keine festen Straßen, kein System zur Wasserversorgung.“ Gleichzeitig sei der digitale Geldbeutel seit Jahren Standard. „Wenn eine Ziege verkauft wird, wird ganz selbstverständlich per Mobiltelefon bezahlt“, erklärt er. Für die Zahlungsdienste entstand ein Mobilfunknetz, mit dem auch in abgelegenen Gegenden eine Internetverbindung verfügbar wurde.

Mit dem Hilfsverein Nymphenburg, einer gemeinnützigen Organisation der Wittelsbacher, förderte Prinz Ludwig bereits Schulen in Turkana. „Doch auch mit Abschluss findet man keine Arbeit.“ Deshalb schult „Learning Lions“ nun junge Erwachsene in dreimonatigen Kursen im Umgang mit digitaler Technik. Schon einige Absolventen konnten sich so mit dem Entwerfen von Internetseiten oder Firmenlogos eine Existenz aufbauen. Jetzt entsteht ein Campus für bis zu 500 junge Menschen. Für den Bau sollen die Einnahmen des Marsches durch Bayern verwendet werden.

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