Durchwachsene Ernte-Aussichten

von Redaktion

Die einen warten auf den Regen, die anderen hatten zu viel davon. Bayerns Bauern haben auch in diesem Jahr wieder mit schwierigen Wetterbedingungen zu kämpfen. Landwirtschaftsministerin Kaniber spricht sich dennoch für Vorsorge statt für erneute Hilfszahlungen aus.

VON DOMINIK GÖTTLER

Kaufering – Neben Johann Drexls Weizenfeld hat sich eine kleine Pfütze gebildet. Eine Stunde vor dem Ortstermin auf dem Feldweg hat es in Kaufering im Kreis Landsberg noch geregnet. Das verdirbt dem Landwirt nicht die Laune, ganz im Gegenteil. „Wir können froh sein um jeden Tropfen“, sagt der Biobauer, der mit seinem Sohn insgesamt rund 200 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Er fährt mit der Hand durch die Ähren. „Wenn man in andere Regionen Bayerns schaut, haben wir aber eh noch richtig Glück gehabt.“

Die Ernteaussichten sind in diesem Jahr höchst unterschiedlich. „Wir haben aktuell zwei Welten in Bayern“, sagt der Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbands, Hermann Greif. In seiner oberfränkischen Heimat habe es so wenig geregnet, dass viele Bauern Sorge hätten, überhaupt ihre Futtersilos vollzubekommen. In Oberbayern und Schwaben dagegen sieht es vielerorts recht gut aus auf den Feldern. Wenn nicht gerade eines der heftigen Unwetter aus den vergangenen Wochen seine Spuren auf dem Acker hinterlassen hat.

So wie bei Drexls Berufskollegen Johann Schamberger wenige Kilometer weiter. Ende Mai kamen dort in einer halben Stunde 60 Liter Regen vom Himmel. Die sammelten sich in einer tiefer liegenden Stelle seines Kartoffelackers. „Ein Teil des Feldes ist mir leider ersoffen“, sagt Schamberger. Dürre im Nord-Osten, teils heftiger Regen und Hagel im Südwesten – die zwei Welten Bayerns.

„Insgesamt rechnen wir daher mit einer durchschnittlichen Ernte“, sagt Bauernpräsident Walter Heidl. Mit 8,3 Millionen Tonnen dürfte die Ernte im Fünfjahresmittel liegen. „Die Sommer werden heißer, die Hagelkörner größer und die Felder dürrer“, bilanzierte auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), die sich vor Ort ein Bild von den Feldern der Familien Drexl und Schamberger machte. Dennoch sei die Situation derzeit nicht so schlimm wie im vergangenen Jahr.

Auch deshalb spricht sich Kaniber gegen erneute Ad-hoc-Hilfen für die Landwirtschaft aus. „Wir sollten lieber im Vorfeld Unterstützung geben“, sagt sie und verweist auf die von ihr angestoßene Bundesratsinitiative für eine Mehrgefahrenversicherung. Diese solle für die Landwirte erschwinglich sein. „Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass wir die Versicherung zu 50 Prozent mitfinanzieren.“ Kanibers Rechnung: 30 Prozent übernimmt der Bund, 20 Prozent der Freistaat, 50 Prozent die Landwirte selbst. „Ich wünsche mir sehr vom Bund, dass wir spätestens im Herbst eine Vorlage bekommen.“ Bauernpräsident Heidl begrüßt das, fordert aber weiterhin auch steuerfreie Rücklagemöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe.

Als unmittelbare Reaktion auf die Trockenheit der vergangenen Wochen hat das Landwirtschaftsministerium in einigen Regionen Bayerns zudem sogenannte ökologische Vorrangflächen zur Nutzung für Futterzwecke in der Tierhaltung freigegeben. In Südbayern gilt die Freigabe für die nördlichen Landkreise Eichstätt, Donau-Ries und die Stadt Ingolstadt.

Doch natürlich kamen die Landwirte nicht nur auf ihre Ernte zu sprechen, sondern auch auf das Volksbegehren zum Artenschutz. Biobauer Johann Drexl hat neben seinem Feld einen mehrere Meter breiten Blühstreifen angelegt. „Damit habe ich schon vor dem Volksbegehren angefangen, insgesamt haben wir vier Hektar Blühfläche. Daran verdienen wir keinen Cent, das tun wir nur für die Umwelt.“ Dass das von vielen nicht wertgeschätzt wurde, ärgert den Landwirt. „Diese Vorwürfe haben uns schon weh getan.“ Sein Appell für den Artenschutz: „Alle müssen mithelfen. Alle.“

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