Kochel am See – Blumen liegen am Montag am Bahnübergang im Kochler Ortsteil Ried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Auch eine Kerze ist aufgestellt und ein Kuscheltier liegt an der Stelle, an der am Sonntag ein 65-jähriger Landwirt und sein zweijähriger Enkel ums Leben kamen. Die beiden waren von einem Zug erfasst worden, als sie auf einem Quad die Gleise überquerten (wir haben berichtet). Auch für die Rettungskräfte war der Einsatz extrem belastend. „Solange er läuft, funktioniert man“, sagte Jürgen Thalmeier, der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, gestern. Erst später werde bei den Einsatzkräften der Verarbeitungsprozess einsetzen. Ein Patentrezept, wie man mit solchen Szenen umgehe, gebe es nicht. Generell gelte laut Thalmeier: „Je jünger die Opfer, desto belastender.“
In der ganzen Gemeinde ist die Trauer riesengroß. Der Landwirt war in Ried sehr bekannt. Gestern äußerte auch die Bahn ihr Bedauern. „Wir sind von dem tragischen Unfall sehr betroffen“, sagte ein Sprecher.
An dem Bahnübergang in Ried war es in den vergangenen 25 Jahren viermal zu Unfällen gekommen, berichtet der Feuerwehr-Kommandant Anton Streidl. Zuletzt im Herbst 2015. Lediglich ein Andreaskreuz weist dort auf möglicherweise heranfahrende Eisenbahnen hin.
Um solche Situationen zu ändern, gibt es dem Sprecher zufolge nur zwei Lösungen: Ausbau oder Abbau. „Der Abbau von unbeschrankten Bahnübergängen ist die beste Lösung.“ Dagegen sperrten sich in vielen Fällen aber Gemeinden, die bei der Veränderung von Bahnübergängen ebenfalls oft mitentscheiden dürfen. Sie möchten kurze Wege erhalten. Eine Nachrüstung mit Schranken oder Warnzeichen sei teuer. Und auch dann müsse man sich oft erst mit den Gemeinden einigen. „Die Bahn ist für mehr Sicherheit immer gesprächsbereit.“
In Bayern gibt es wegen der ländlichen Zersiedelung besonders viele Bahnübergänge, Ende 2017 waren es laut einer Mitteilung 3131. Davon waren 1631 unbeschrankt. Von 2012 bis Ende 2017 wurden 59 Übergänge erneuert. 189 wurden während desselben Zeitraums abgebaut.
Die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen im Freistaat ist rückläufig. 2016 kam es laut Bahn zu 35 Zwischenfällen. Sechs Menschen starben dabei. 2015 waren es 51 Kollisionen, 2012 noch 57.
Der Unfall am Sonntag war der erste an dem Bahnübergang in Ried, bei dem Menschen starben. Laut einem Polizeisprecher ist noch nicht abschließend geklärt, ob der 65-Jährige den Zug möglicherweise übersehen hatte. Von einem Sachverständigen, der Auswertung der Zugdaten und dem Lokführer erwarten sich die Ermittler genauere Erkenntnisse.