Kompromiss im Kuhstall

von Redaktion

Bauern und Molkereien haben sich auf Kriterien geeinigt, wie die Milchviehhaltung der Zukunft aussehen soll. Damit soll die ganzjährige Anbindehaltung nach und nach verschwinden. Doch eine flächendeckende Umstellung bleibt eine riesige Herausforderung.

VON DOMINIK GÖTTLER

München – 13 Jahre ist es mittlerweile her, dass Alois Kramer einen Laufstall für seine 40 Milchkühe gebaut hat. „Es war ein riesiger finanzieller Aufwand und ein Kraftakt für die ganze Familie“, sagt der Landwirt aus Krün im Landkreis Garmisch-Partenkirchen im Rückblick. Doch bereut hat er den Schritt nie. Das sagt er auch seinen Berufskollegen, von denen derzeit viele überlegen, wie sie ihren Betrieb für die Zukunft aufstellen wollen – und können. Denn nach wie vor setzen viele Betriebe vor allem in Südbayern noch auf Anbindehaltung.

Exakte Zahlen gibt es nicht, aber die Branche geht derzeit davon aus, dass rund 30 Prozent der bayerischen Milchkühe ganzjährig im Stall angebunden sind. Die süddeutschen Molkereien hatten Ende des vergangenen Jahres gemeinsam erklärt, bis 2030 einen Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung anzustreben. Dann sollte es nach Wunsch der Molkereien nur noch Laufställe oder eine sogenannte Kombinationshaltung geben. Was unter dieser Kombinationshaltung zu verstehen ist, darauf haben sich Milchbauern und Molkereien nun geeinigt.

Demnach müssen Milchkühe in dieser Haltungsform mindestens 120 Tage im Jahr Freilauf haben – entweder auf der Weide, im Laufhof oder einer Laufbucht. Wenn der Landwirt mit zusätzlichen Maßnahmen für mehr Platz im Stall und zusätzliche Ausstattung (Licht, Tränke, Ventilator) sorgt, reichen auch 90 Tage Freilauf. „Die gemeinsame Festlegung darauf, was die Kombinationshaltung konkret bedeutet, ermöglicht auch Betrieben, die keinen aufwendigen Neubau für einen Laufstall stemmen können, eine Zukunftsperspektive“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) nach der Einigung.

Wolfgang Scholz, Kreisobmann des Bauernverbands für den Landkreis Weilheim-Schongau, hat diese Definition mit ausgehandelt. Er sagt, hier gehe es um Schadensbegrenzung. „Wenn wir keine Antworten finden, werden wir vom Handel abgestraft.“ Denn große Molkereien aus dem Norden oder auch aus Irland würden massiv mit Weidemilch werben, was wiederum die süddeutschen Molkereien unter Druck setzt. Auch wenn die nun festgelegten Standards einigen Landwirten helfen würden, so stehe dennoch für viele Bauern ein großer Einschnitt bevor. „Ich hoffe, dass viele die Mühen auf sich nehmen und es keinen Strukturbruch gibt.“

Denn einfach sei die Umstellung nie. „Viele würden ja gerne schon etwas ändern, aber sie können nicht.“ Weil sie keine Baugenehmigung für einen Laufstall bekommen. Weil der Immissionsschutz Grenzen setzt. Oder weil die Nachbarn protestieren, wenn sie von einem Stallbau hören. „Das ist die Schizophrenie an dem Ganzen“, gibt Scholz zu bedenken. Deshalb forderten die Vertreter der Molkereien und der Milchviehhalter auch in einer gemeinsamen Erklärung, dass den Betrieben, die eine Veränderung anstreben, keine Steine in den Weg gelegt werden.

Auch Hans Foldenauer vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) sieht die Einigung als ersten Schritt in Richtung Umbau bei der Tierhaltung. Für ihn ist jedoch wichtig: „Das muss alles finanzierbar sein.“ Und zwar nicht durch Zuschüsse, sondern mit dem Einkommen der Landwirte. „Hier sind die Molkereien gefordert.“ Zudem müsse sichergestellt werden, dass Landwirte mit Betrieben, auf denen keine Kombinationshaltung möglich ist, ihren Beruf bis zur Altersgrenze ausüben können.

Landwirt Alois Kramer wirbt in dem Zusammenhang auch für Akzeptanz bei der Bevölkerung. In seinem Heimatort Krün treiben vier Betriebe ihre Tiere täglich auf gemeinschaftliche Weideflächen aus. Dafür müssten die Bewohner dann aber auch Verständnis aufbringen. „Es geht nur miteinander.“

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