Weilheim/München – Himmelsfreunde aufgepasst: Sollte der Himmel klar sein, genießen Sie den Blick auf die partielle Mondfinsternis. Denn die nächste Mondfinsternis, die von Mitteleuropa aus gut zu sehen sein wird, steht erst am 31. Dezember 2028 an. Zwar steht auch am 16. Mai 2022 eine totale Mondfinsternis bevor, doch die vollzieht sich frühmorgens. „Der normale Beobachter kann sie vergessen“, sagt Weilheimer Astronomieexperte Helmut Hornung von der Max-Planck-Gesellschaft in München.
Seinen ersten Kontakt mit dem Kernschatten der Erde hat der Mond morgen um 22.01 Uhr. Dann wandert er immer mehr hinein und verfinstert sich zunehmend. Um 23.31 Uhr ist er mit 66 Prozent am weitesten im Kernschatten. Um 1 Uhr ist das Schauspiel vorüber.
Während er im Kernschatten der Erde liegt, wird der Erdtrabant in einem kupferroten Licht erstrahlen, allerdings nicht ganz so wie beim sogenannten Blutmond. Die rötliche Färbung kommt zustande, weil durch die Atmosphäre der Erde der langwellige rötliche Anteil des Sonnenlichts in den Schatten der Erde hinein gebrochen wird, erklärt Astro-Experte Hornung. Der Mond, der im reflektierten Sonnenlicht leuchtet, wird quasi in ein irdisches Abendrot getaucht. Er leuchtet 10 000 Mal schwächer als vorher. Das kurzwellige blaue Licht hingegen wird in alle Richtungen gestreut und ist kaum mehr wahrnehmbar.
Ob die Mondsichel hell oder eher dunkel zu sehen sein wird, kann man noch nicht sagen. Es kommt darauf an, wie viel Staub – etwa durch Vulkanausbrüche – in der Atmosphäre herumwirbelt.
Das Gute für Hobby-Astronomen: „Das Spektakel ist – wenn denn der Himmel klar ist – auch für das bloße Auge gut zu sehen und durchaus reizvoll, Teleskop ist keines nötig“, sagt Helmut Hornung. Wichtig ist allerdings ein passendes Plätzchen mit gutem Blick auf den südlichen Horizont, da der Mond tief stehen wird. Wer Details sehen will, etwa helle Strahlenkrater auf dem Mond, der ist mit einem Fernglas bestens ausgerüstet.
Da die Leuchtkraft des Mondes während der Teilfinsternis deutlich schwächer ist als zuvor, leuchten rings um ihn plötzlich die Sterne deutlicher, die das Mondlicht sonst überstrahlt. Aus diesem Grund lohnt sich der Besuch einer Volkssternwarte durchaus. „Die partielle Mondfinsternis ist ein guter Anlass, dass Menschen zum ersten Mal bewusst die beiden Planeten Jupiter und Saturn sehen“, sagt Hornung. Beide stehen, wie der Vollmond, am südlichen Horizont. Jupiter leuchtet sehr hell, Saturn nicht ganz so hell. Wer die Ringstruktur des Saturns sehen will, braucht dazu allerdings ein Fernrohr. Die Volkssternwarten in München, Berg (Kreis Starnberg), Tirschenreuth in der Oberpfalz, Würzburg oder Ingolstadt sind am Dienstag geöffnet. Die Raumstation ISS ist auch mit bloßem Auge gut zu sehen. Sie wird sich Dienstagnacht zwei Mal zeigen. Zum ersten Mal zieht sie um 23.01 Uhr oberhalb des Mondes als auffallend heller Lichtpunkt vorbei. Dies wiederholt sich um 0.37 Uhr im Zenit, hoch über unseren Köpfen.
Übrigens: Durchschnittlich zwei Mal pro Jahr wandert der Mond durch den Kernschatten der Erde. Also gibt es pro Jahr zwei Mondfinsternisse, die von irgendwo auf der Erde zu sehen sind. Dass eine Mondfinsternis nicht jedes Mal bei Vollmond auftritt, ist auf die leichte Neigung der Mondbahn gegen die Ekliptik – die Ebene der Erdbahn – zurückzuführen.