München – Jetzt soll die Zukunft der Kirche im Erzbistum München und Freising endlich angepackt werden: Kardinal Reinhard Marx hat am Mittwochabend 50 Vertreterinnen und Vertreter aller wichtigen Gremien im Schloss Fürstenried versammelt, um über pastorale Konzepte, eine Personalstrategie, Leitungsmodelle für Pfarrverbände, die Arbeit des Ordinariats zu beraten.
Nach dreieinhalb Stunden Debatte sagte der Kardinal nach Informationen seiner Pressestelle, es sei gut gewesen, einen Überblick zu gewinnen. Wichtig sei nunmehr ein „kohärenter Prozess“. Dieser müsse die wichtigste Frage beantworten: „Wo ist die Idee, wie vermitteln wir unser Anliegen der Öffentlichkeit, wo ist die Begeisterung?“ Bei allen technischen und organisatorischen Details gehe es im Kern darum: „Dient unsere Arbeit dem, was Jesus will?“ Der externe Moderator der Zusammenkunft, der Sozialwissenschaftler Egon Endres, bezeichnete die vorgestellten Projektergebnisse als „Steilvorlage für einen umfassenden Strategieprozess“. Für die Leitung des Erzbistums bestehe nun die große Herausforderung darin, „die verschiedenen Anspruchsgruppen angemessen zu beteiligen“. Beeindruckt habe ihn die Energie und Identifikation insbesondere bei den Vertretern der katholischen Jugendverbände und des Diözesanrats.
Gerade die Jugend steht in den Startlöchern, um die Kirche voranzubringen. Stephanie von Luttitz, Diözesanvorsitzende des Bundes des Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), begrüßte es, dass das Erzbistum solche Zukunftsprozesse endlich anpacke. Es sei schon viel Arbeit und Energie in Projekte geflossen. „Dennoch müssen wir kritisch sagen: Die Einbindung von Ehrenamtlichen hätte viel früher, viel direkter, viel aktiver erfolgen müssen.“ Schwierig für sie sei: „Man bekommt den Eindruck, dass Kirche und Glaube nur noch auf dem Rückzug sind.“ Kirche dürfe sich nicht nur um die eigenen Strukturen drehen und irgendwie weiterarbeiten. Für die Jugend sei das der falsche Weg: „Wir sagen, wir brauchen eine Vision, wo wir uns hinentwickeln wollen“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Es müsse im Erzbistum ein Schwerpunkt auf der Jugendarbeit liegen, forderte von Luttitz. Die Neuen Medien müssten „mitgedacht“ werden, auch die Digitalisierung werde noch komplett außer acht gelassen. „Wie kann ich meine Botschaft einfach verkünden? Wie kann ich Glauben erlebbar machen für junge Menschen?“ – das werde komplett ausgeblendet. „Jetzt liegt es an der Leitung, für die Zukunft Strategien zu entwickeln und klare Schwerpunkte zu entwickeln.“ Und die Jugendvertreterin fügte hinzu: „Reden ist schön und gut, wir müssen vor allem handeln.“ Es müsse gemeinsam eine Art Formel gefunden werden, einen Satz, in dem man ausdrückt, wofür Kirche und Glauben steht. Bei aller Kritik habe eine produktive und dynamische Stimmung geherrscht. Jetzt hofft die Jugend auf den Kardinal.