Fährtensuche im Irrgarten

von Redaktion

Im Feld-Labyrinth in Utting (Landkreis Starnberg) darf umhergeirrt, gespielt und gerätselt werden. Für Groß und Klein hat das idyllische Fleckchen am Ammersee allerhand zu bieten. Wir haben das Freizeitgelände getestet.

VON CORINNA KATTENBECK

Utting – Als Paul (7) um die Ecke biegt, ruft Max (9): „Da, der gelbe Stempel!“ „Was steht auf der Tafel?“, fragt Levi, der Kleinste (7). „Hannibal, der Weberknecht“, liest Max vor und rügt Levi: „Du kannst doch lesen, du bist doch in der ersten Klasse!“ Paul treibt das muntere Trio an: „Kassandra fehlt uns noch!“ Zack, den Stempel aufs Papier – und schon sausen die drei Freunde noch tiefer in den Irrgarten aus Sonnenblumen, wilden Malven, Mais und Hanf.

Wie Indianer auf Fährtensuche halten Max, Paul, Levi und viele andere Kinder wenige Tage nach der Eröffnung des Uttinger Feld-Labyrinths Ausschau nach Stationen des Biene-Maja-Suchspiels. „Wir rennen einfach hin, wo wir wollen“, beschreibt Levi das Freiheitsgefühl auf dem zwei Hektar großen Gelände am Ammersee. „Wir waren schon fast überall“, sagt sein Freund Paul, der nicht einmal einen Bruchteil des Geländes überblicken kann. Die Sonnenblumen sind inzwischen fast zwei Meter hoch.

Das macht die Suche nach Stempel-Stationen und Quiz-Fragen nicht einfacher – aber umso aufregender. „Den Schwierigkeitsgrad können wir vorher nie einschätzen“, gesteht Uli Ernst (47). Seit 1999 legt der Landwirt und Betreiber der Anlage jedes Jahr ein neues Labyrinth-Motiv fest. Einmal irrten die Besucher durch die Titanic, einmal durch Einsteins Porträt, voriges Jahr durch eine Bayern-Landkarte. „Das passte gut zum Thema ,100 Jahre Freistaat Bayern’.“ Heuer, wo das Stichwort Artenschutz in aller Munde ist, sind aus der Luft Biene Maja und Willi zu erkennen. Passend dazu gibt es einen Bienen-Lehrpfad: In und um einen ausgekleisterten Korb wuselt ein Naturschwarm aus 20 000 Honigbienen, ein Schaukasten zeigt eine bayerische Landrasse.

Insgesamt drei Bienenstationen hat Arno Bruder, Imkerei-Fachberater des Bezirks Oberbayern, zur Verfügung gestellt. „Er freut sich, dass die Bienen so viel Aufmerksamkeit bekommen“, sagt Uli Ernst, der in Äthiopien Erfahrungen mit Bienen gesammelt hat. Zweimal im Jahr fliegt der Familienvater in das afrikanische Land und leitet dort ein Unternehmertraining für Bauern.

Von Ernsts innovativen Ideen profitiert auch das Uttinger Labyrinth, dem er bei der Premiere vor 20 Jahren den Titel „Ex Ornamentis“ verliehen hat. Zumal das erste Feld-Bild ein keltisches Ornament zeigte. Um seine Motiv-Entwürfe professionell umzusetzen, bedient sich der Unternehmer modernster Mittel. In Zusammenarbeit mit Münchner Studenten werden bei der Entstehung Drohnen und ein Satellitennavigations-System eingesetzt. Außerdem gibt es heuer erstmals eine Kugelbahn. „Wir lassen uns immer was einfallen.“ Begleitet von leuchtenden Kinderaugen legen Holzkugeln eine hürdenreiche Strecke von 100 Metern zurück.

Neben so viel Spaß und Abwechslung winkt den Besuchern ein attraktiver Gewinn: „Wir verlosen zwei Rundflüge fürs nächste Jahr, dann können die Gewinner das Feld-Labyrinth von oben sehen.“ Um in die Verlosung zu kommen, braucht es ausreichend Stempel beziehungsweise das richtige Quiz-Lösungswort auf dem Spielschein. Und wer am Ende den Weg zum Ausgang nicht mehr findet, für den weiß Valentin (10) einen Trick: „Das Labyrinth hat eine Neigung, man muss immer nach oben laufen.“

Das Uttinger Labyrinth

hat bis 29. September täglich geöffnet, in den Sommerferien von 10 bis 20 Uhr

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