In Weilheim blitzt’s am häufigsten

von Redaktion

Es scheppert gewaltig im Landkreis Weilheim-Schongau: Nirgends in der Region ist die Blitzdichte im Jahr 2018 höher gewesen. Auch im Deutschlandvergleich ist der Kreis vorne mit dabei – und hat einem seiner Nachbarn den Rang abgelaufen.

VON KATHRIN BRACK

München – Wenn Thor seinen Hammer zur Erde schleudert, so heißt es in der germanischen Mythologie, sind Blitze das sichtbare Zeichen. Stephan Thern betrachtet die Funkenentladungen entschieden nüchterner: „Ein Blitz ist in erster Linie etwas Elektrisches“, sagt er. Thern ist Ingenieur und Leiter des Blitzinformationsdienstes von Siemens (BLIDS). Seine Kollegen und er lokalisieren und zählen Blitze, zum Beispiel für Versicherer oder den Deutschen Wetterdienst. 446 000 waren es im Jahr 2018. Und wieder einmal ist Bayern Spitzenreiter: Zwei der drei blitzreichsten Orte Deutschlands befinden sich im Freistaat. Was Sie über die Zählung 2018 wissen sollten:

Wo liegen die blitzreichsten Orte?

Im Gesamt-Ranking hat sich der Kreis Weilheim-Schongau an Nachbar und Vorjahresspitzenreiter Garmisch-Partenkirchen vorbeigeschoben. 3549 Blitze zählte BLIDS dort 2018 (siehe Tabelle). Mit einer Blitzdichte von 3,7 Blitzen pro Quadratkilometer landet Weilheim-Schongau bundesweit auf dem dritten Platz. In Bayern gibt es nur einen Ort, an dem die Blitzdichte höher ist: Schweinfurt. In der kreisfreien Stadt in Unterfranken, die das Gesamt-Ranking anführt, wurden zwar nur 179 Blitze gezählt – „die Dichte errechnet sich aber durch die Zahl der Blitzeinschläge pro Quadratkilometer“, sagt Stephan Thern. In Schweinfurt waren es 5,0, im zweitplatzierten Rheinisch-Bergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen 4,0. Der deutsche Durchschnittswert liegt bei 1,3 Blitzeinschlägen.

Wann blitzte es besonders heftig?

Eine Woche vor dem großen Pfingst-Gewitter. Am 31. Mai schlugen 11 000 Blitze in Bayern ein. Zum Vergleich: Der bundesweit blitzreichste Tag brachte es einen Tag später auf 34 785 Einschläge. „Im Jahr 2018 verzeichneten wir relativ wenige Gewitter“, so Thern. „Der Jahrhundertsommer letztes Jahr war zu warm, die Wetterlagen waren sehr stabil.“ Bis zu 20 Prozent der gesamt gezählten Blitze schlagen bei „großen Einzelereignissen“ ein.

Wie macht sich Bayern im Ländervergleich?

„Wegen seiner Größe ist Bayern oft zugleich das Bundesland mit den meisten Blitzen“, sagt Stephan Thern. „Dieses Jahr liegt es im Ländervergleich aber nur auf Platz vier.“ Das Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hatten eine größere Blitzdichte in Relation zu ihrer Fläche.

Warum kracht es so oft im Voralpenland?

Die Voraussetzungen sind nördlich der Alpen perfekt für Blitz und Donner: „Am Alpenrand passt alles zusammen“, sagt Stephan Thern. „Es ist warm genug im Süden Bayerns, und gleichzeitig gibt es genügend Feuchtigkeit mit all den Seen. Kommen Gewitter, bleiben sie am Alpenrand hängen.“

Wie werden eigentlich Blitze gezählt?

Der Blitzinformationsdienst hat Zugriff auf die Daten von 160 Messstationen in Europa. „40 dieser Stationen stehen in Deutschland“, erklärt der Leiter des BLIDS. Die einzelnen Stationen sind bis zu 350 Kilometer voneinander entfernt. Thern sagt: „Mit der aktuellen Software können wir bis auf 50 Meter genau ermitteln, wo gerade ein Blitz eingeschlagen hat.“

Wie sieht es mit den Schäden aus?

Zwar ist die Zahl der gezählten Einschläge rückläufig, allerdings steigen die Schadenssummen stetig. Im Hitzejahr 2018 waren es laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft 280 Millionen Euro – so viel wie zuletzt vor 15 Jahren. 290 000 Fälle meldeten Versicherte in Deutschland im vergangenen Jahr.

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