Garching/Ismaning – Ulrich Hilberer hat Karten und Fotos dabei. Sie zeigen eine glitzernde Isar. Oberhalb der bei Erholungssuchenden beliebten Stelle werde schwach radioaktives Wasser aus dem Forschungsreaktor Garching eingeleitet, sagt der Abteilungsleiter Umwelt der Gemeinde Ismaning. „Da wird gebadet, da wird gefischt.“ Es gebe nicht einmal Hinweisschilder.
Gemeinden, Bürger und Verbände wehrten sich am Dienstag bei einer Anhörung in Ismaning (Kreis München) gegen die von der Technischen Universität München (TUM) beantragte Genehmigung zur weiteren Einleitung schwach radioaktiver Abwässer. Die seit 20 Jahren bestehende wasserrechtliche Erlaubnis dazu läuft dieses Jahr aus. Die nun beantragten 30 Jahre seien viel zu lang, betonen Einwender. 1400 Einwendungen liegen vor; die Beteiligung an der Anhörung war allerdings gering. Das Landratsamt München entscheidet zu einem späteren Zeitpunkt über den Antrag.
Kurzzeitig prägte die Debatte um die Betriebsgenehmigung des umstrittenen Reaktors das Verfahren. Der sogenannte FRM II laufe immer noch mit hochangereichertem und waffenfähigem Uran, obwohl er gemäß der Betriebsgenehmigung bis Ende 2010 hätte umgerüstet werden müssen, argumentieren Umweltverbände und Grüne. Sie beantragten, das Verfahren über die Abwässer auszusetzen. Vertreter des bayerischen Umweltministeriums als Genehmigungsbehörde wie auch der TUM argumentieren hingegen, die atomrechtliche und die wasserrechtliche Genehmigung seien zwei getrennte Dinge. „Im Moment gehen wir von einer bestandskräftigen rechtsgültigen Genehmigung aus“, sagt Ministeriumsvertreter Ronzon Mallick.
Kritiker aus der Umgebung fordern, es müssten technische Verfahren weiterentwickelt werden, um die Radioaktivität zu reduzieren. „Ich erwarte von der Wissenschaft, dass man das ganz vermeidet“, sagt ein Vertreter der Gemeinde Hallbergmoos (Kreis Freising). Das müsse in zehn Jahren möglich sein. Doch hier werde Geld gespart „zulasten der Bürger“. Christine Margraf vom Bund Naturschutz in Bayern sagt: „Bei Radioaktivität muss das Minimierungsgebot Vorrang haben.“ Wegen Genehmigungsproblemen bei der Lieferung neuer Brennelemente steht der FRM II ohnehin seit Monaten still. Er dürfe gar nicht mehr anfahren, verlangen die Gegner. SABINE DOBEL