Erlanger backt Insekten-Brot

von Redaktion

Geht es nach dem Erlanger Sven Hochstrat, würden sich Insekten viel häufiger auf dem deutschen Speiseplan finden. Der junge Unternehmer will ein Mehl aus Grillen populär machen.

VON THOMAS THIANG

Erlangen – Es müssen ja nicht gleich frittierte Skorpione am Spieß sein, die in manchen Ländern auf Märkten angeboten werden. Sven Hochstrats Unternehmen Imago Insects setzt lieber auf ein Mehl aus Grillen. Das kann Brot, einer Bolognese-Soße oder Müsli-Riegeln beigemischt werden. Mit einem Erlanger Bäcker experimentiert er in der Backstube, um optimale Rezepturen für Dinkelbrot und Knäckebrot sowie Müsli- und Schokoriegel zu kreieren. Für den hauptberuflichen Ingenieur ist klar: „Insekten sind das Lebensmittel der Zukunft.“

Er ist nicht der Einzige, der Insekten als Lebensmittel anpreist: Das Osnabrücker Start-up Bugfoundation etwa produziert Burger, die aus zermahlenen Buffalowürmern hergestellt werden und in Supermärkten und bei der Kette „Hans im Glück“ zu kaufen sind. Bold Food aus Bremen vertreibt ebenfalls Burger aus Buffalowürmern. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich die Larven eines Getreideschimmelkäfers, die eine Firma zu Mehl verarbeitet. Die Pforzheimer Firma Plumentofoods verkauft Insektennudeln, Swarmprotein aus Köln Sportlerriegel mit Insektenprotein.

Dabei löst die Vorstellung von Insekten auf dem Teller in Europa bei vielen noch ein entsetztes Schütteln aus. 20 Prozent seien begeistert von der Idee, bei den anderen sei viel Überzeugungsarbeit notwendig. Hochstrats Erfahrung nach lehnen ein Drittel der Menschen essbare Insekten komplett ab und wollen sie auch nicht probieren.

Doch die kleinen Krabbler gelten als idealer Fleischersatz. Der Nährwert der Grillen kann sich sehen lassen. So liegt deren Proteinanteil, der alle essenziellen Aminosäuren enthält, mit gut zwei Dritteln fast dreimal so hoch wie bei Huhn, Rind oder Lachs. Zudem sind Grillen reich an Omega-3-Fettsäuren, Mineralien und Vitamin B12.

Insekten sind optimale Futterverwerter. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rechnet vor: Im Durchschnitt können Insekten zwei Kilogramm Futter in ein Kilo Insektenmasse umwandeln, während Rinder acht Kilo Futter für zwei Kilo Fleisch benötigen. Zudem werde bei der Produktion weniger CO2 erzeugt als in der konventionellen Viehhaltung.

Sein Grillenmehl bezieht Imago Insects von Zuchtfarmen in Thailand. Der Wasserbedarf der Grillen werde durch das Gemüse als Futter gedeckt. Hochstrats Partnerfirma füttere unter anderem mit Kürbis. Deren Geschmacksnote würden dann auch die Insekten annehmen.

Ab Herbst, kündigt er an, werde sein Unternehmen auch ganze geröstete Insekten im Angebot haben. Hochstrat selbst ist seit Jahren Vegetarier. Dagegen beißt er beherzt in frittierte Grillen.

Seit der Novel-Food-Verordnung der EU von 2018 zählen essbare Insekten zu neuartigen Lebensmitteln. Deshalb wagte Hochstrat gemeinsam mit seiner Frau nach einer ersten gescheiterten Firmengründung 2015 einen neuen Versuch. Mittlerweile bieten in Deutschland mehrere Handelsketten in ihren Märkten Insektenprodukte an.

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