Angriff auf Rabbiner-Familie in München

von Redaktion

Fall sorgt für Empörung: Charlotte Knobloch spricht von „neuer Dimension“ der Übergriffe

München-Schwabing – Sie wurden gedemütigt und beleidigt auf offener Straße, nur wegen ihres Glaubens. Am Samstag hat sich ein antisemitischer Vorfall mitten in München ereignet: Ein Rabbiner und seine zwei Söhne wurden beleidigt und bespuckt. Ist der Judenhass wieder zurück in München? Der Fall sorgt für Empörung.

Der 53-jährige Rabbiner, der in Schwabing wohnt, war gerade mit seinen 19-jährigen Zwillingen nach einem Synagogenbesuch in der Hohenzollernstraße unterwegs. Der Vater hat einen langen Bart, alle drei trugen eine Kippa. An der Ecke Wilhelmstraße schrie ein unbekannter Mann von der anderen Straßenseite herüber: „Scheiß Juden.“ Eine Autofahrerin fühlt sich offenbar animiert und brüllt einem der Söhne die gleiche Beleidigung zu. Als der junge Mann sie darauf anspricht, spuckt ihm die Frau durchs Beifahrerfenster ins Gesicht und flüchtet. Die Polizei ermittelt gegen beide Tatverdächtigen wegen Volksverhetzung und Beleidigung.

„Das war sehr schlimm für den Sohn“, erzählt Marian Offman, SPD-Stadtrat und Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde, unserer Zeitung. „Das hat ihn völlig fertiggemacht“. Die Familie sei verängstigt und wolle sich deshalb nicht äußern. Offman sagt: „Dieser Fall macht mich traurig. Das ist der erste Fall dieser Art in München seit Jahren.“

Erst Ende Juli ist ein Rabbiner in Berlin beschimpft und bespuckt worden. Im Juni gab es einen ähnlichen Fall in Hamburg, einen Monat zuvor in Köln. Die Münchner Polizei kannte bislang keinen vergleichbaren Fall. Nach den Worten von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, erreichen antijüdische Übergriffe „quantitativ und qualitativ eine neue Dimension“. In den vergangenen Tagen sei in München ein weiterer Vorfall passiert: Ein anderes Mitglied der Kultusgemeinde habe am Montag im Treppenhaus seines Wohnhauses eine Davidstern-Schmiererei vorgefunden.

Als einen „Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft“ bewertet den Fall der Beauftragte der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle (CSU). Nimmt der Judenhass in München zu? Von 2017 auf 2018 hatsich die Zahl antisemitischer Übergriffe laut Polizei in der Landeshauptstadt von 51 auf 86 erhöht.

Auch der Jude Terry Swartzberg, Journalist und Initiator der Münchner Stolpersteine, bedauert den Vorfall. „Die Familie hat mein Mitgefühl“, sagt er unserer Zeitung. Gleichzeitig hält er nichts von Panikmache: „Ich denke, dass wir als Juden in Deutschland sicher leben.“ NINA BAUTZ, STEFANIE WEGELE

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