NACHGEFRAGT

„Es geht um Menschenleben“

von Redaktion

Multiresistente Keime sind eine wachsende Gefahr. Die Todesfälle häufen sich. Aber: Man kann was tun, sagt Bernhard Seidenath, der gesundheitspolitische Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag. Details will seine Fraktion heute vorstellen. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Seit 2016 werden in Deutschland keine Antibiotika mehr hergestellt. Sie wollen das ändern – warum?

Dieser Antrag ist zum Schutz der Patienten. Erstens bewahren wir uns hierzulande unsere Unabhängigkeit, wir müssen zum Beispiel keine Lieferengpässe fürchten. Und zweitens haben wir in Deutschland deutlich höhere Produktions- und Umweltstandards als in Ländern wie Indien oder China – wo übrigens sehr viele Antibiotika für den europäischen Markt hergestellt werden. Sie erinnern sich sicher an den Valsartan-Skandal, bei dem Blutdrucksenker zurückgerufen wurden, weil sie mit einem krebserregenden Stoff verunreinigt waren. Das wäre uns nicht passiert, wenn wir vor Ort produziert hätten.

Das stimmt vermutlich. Aber die Produktion im Ausland ist nun mal deutlich günstiger. Für Pharma-Firmen ist das ein schlagendes Argument …

Natürlich müssten Staat und Krankenkassen diesen Firmen unter die Arme greifen. Damit sind aber keine Almosen gemeint, sondern eine finanzielle Unterstützung, die uns vor allem dabei hilft, Menschenleben zu retten.

Wie meinen Sie das konkret?

Wenn zum Beispiel durch Lieferengpässe passende Antibiotika nicht zur Verfügung stehen, müssen Patienten mit Alternativpräparaten behandelt werden. Nur: Antibiotika mit einem unnötig breiten Wirkungsspektrum steigern unbehandelbare Resistenzen. Um es deutlich zu machen: Infektionen, etwa durch multiresistente Keime, sind heute, nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, Todesursache Nummer drei. Und: Sie werden sogar bald Krebs als zweithäufigste Todesursache ablösen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Antibiotika-Resistenzen sind aber auch hausgemacht – es werden zu viel Antibiotika verordnet, etwa bei viralen Infekten, obwohl sie hier nachweislich nichts bringen. Wie wollen Sie das in den Griff bekommen?

Durch Aufklärung und Ärztefortbildungen. Antibiotika sind keine Allheilmittel. Das muss noch viel mehr ins Bewusstsein. Erstens: Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infekten, die meisten Erkältungsbeschwerden und auch die Grippe gehören nicht dazu. Zweitens: Wer Antibiotika bekommt, muss sie wie verordnet einnehmen, nicht vorher abbrechen. Das fördert die Resistenzbildung.

Die Tiermast ist ja auch ein großes Problem…

Unsere Landwirte halten sich an die Standards. Antibiotika werden nur verwendet, wenn es im Sinne des Tierwohls unerlässlich ist. Die Probleme lauern vor allem im Ausland: in Produkten, die unter massiven Antibiotika-Gaben gezüchtet werden – etwa Shrimps – und dann bei uns auf den Markt kommen. Barbara Nazarewska

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