München – Es ist eine Zielmarke, die schon während der Unterschriftensammlung für das Bienen-Volksbegehren für Diskussionen sorgte. 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Bayern sollen bis zum Jahr 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. So steht es seit dem 1. August im Naturschutzgesetz. Aber wie soll dieses Ziel erreicht werden? Darüber gibt es ganz unterschiedliche Auffassungen. Denn aktuell steht Bayern bei rund elf Prozent, in den nächsten elf Jahren muss der Öko-Anbau also fast verdreifacht werden. Gleichzeitig blieb der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt in den vergangenen Jahren deutschlandweit aber relativ konstant zwischen fünf und sechs Prozent. Einerseits zieht der Verbraucher also noch nicht so recht mit, andererseits ist Deutschland gerade bei Obst und Gemüse immer noch auf Bio-Importe angewiesen, um die Nachfrage zu decken.
Die Landtags-Grünen haben nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die aufzeigen soll, welche Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um die Verdreifachung bei der Öko-Fläche tatsächlich hinzubekommen. „Wenn es so weiter geht wie bisher, werden wir im Jahr 2030 bei einem Bio-Anteil von 15 Prozent liegen“, sagt Burkhard Schaer vom Ecozept-Institut in Freising, das die Studie durchgeführt hat. Das ergibt sich aus Hochrechnungen der Deutschlandzahlen der vergangenen Jahre. Bundesweit sei auffällig, dass die Entwicklung langsamer vorangehe als in Nachbarstaaten wie Frankreich oder Österreich. Bayern hat zwar mit 343 000 Hektar die größte ökologisch bewirtschaftete Fläche Deutschlands, der Bio-Anteil gemessen an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche ist aber in Baden-Württemberg oder dem Saarland höher.
Schaer und seine Mitarbeiter kommen in der Studie zu dem Schluss, dass das 30-Prozent-Ziel zwar realisierbar ist, dazu bedürfe es aber einiger Anstrengung. Erstens müsse gegenüber den Verbrauchern entschiedener auf die Vorteile von Bio-Produkten hingewiesen werden. Zweitens müssten die Wertschöpfungsketten im Bio-Sektor optimiert werden. Damit kann laut den Forschern die Verarbeitung und Vermarktung günstiger werden, sodass Bio-Produkte am Ende günstiger werden –und das nicht auf Kosten der Landwirte.
Die Landtags-Grünen fordern auf Basis der Studie eine Pro-Bio-Kampagne der Staatsregierung. „In Bayern steht die regionale Herkunft über allem. Aber regional alleine nutzt nichts, wir müssen den regionalen Aspekt an Qualitätskriterien wie Bio binden“, sagt die agrarpolitische Sprecherin und Bio-Bäuerin Gisela Sengl. Fraktionschef Ludwig Hartmann sieht die Staatsregierung nicht nur bei einem aktiven Werben für bayerische Bio-Produkte in der Pflicht, sondern auch beim Schaffen eines Absatzmarktes. „Da gibt es viele Stellschrauben, wie zum Beispiel die öffentlichen Kantinen.“ Auch auf kommunaler Ebene könne das Ministerium helfen, etwa indem es Gemeinden mit besseren Ausschreibungsmethoden beim Catering für Schule und Kindergarten unter die Arme greife. Außerdem fordern die Grünen eigene Referate für Ökolandbau sowohl im bayerischen Agrarministerium wie auch in der für die Ausbildung zuständigen Landesanstalt für Landwirtschaft. Die größere Gewichtung des Ökolandbaus müsse sich auch auf institutioneller Ebene widerspiegeln.
Einige der Forderungen hat die Staatsregierung bereits aufgegriffen: Etwa mit der Ankündigung, in staatlichen Kantinen einen Bio-Anteil von 50 Prozent anzustreben oder das bayerische Bio-Siegel bekannter zu machen. Die Entwicklung müsse aber „am Markt entlang“ erfolgen, sagt ein Sprecher des Agrarministeriums. „Wer mehr Bio aus Bayern möchte, der muss auch bereit sein, mehr Bio aus Bayern zu kaufen.“