Valepp – Wenn der Holzofen auf der Terrasse der Albert-Link-Hütte raucht und der Duft von frischem Brot über die Valepper Alm zieht, dann läuft vielen Wanderern das Wasser im Munde zusammen. Manche packen gleich zwei Laibe als Vorrat für daheim in den Rucksack, andere verdrücken das leckere Backwerk schon, bevor sie wieder zurück beim Parkplatz am Spitzingsee sind.
Kein Problem, denn inzwischen gibt es auch in München Nachschub. Hüttenwirt Uwe Gruber liefert seine Kult-Brote regelmäßig in die Landeshauptstadt. Nach den Sommerferien sind sie beispielsweise wieder in den Geschäftsstellen des Alpenvereins, bei Sport Schuster, Globetrotter und in der Gilchinger Kletterhalle zu bekommen. „Wir backen hier oben inzwischen jedes Jahr etwa 35 bis 38 Tonnen“, berichtet der 57-Jährige.
Seine Erfolgsgeschichte begann vor 20 Jahren. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ute Werner pachtete der gelernte Bäcker- und Konditormeister die Albert-Link-Hütte. Eigentlich war der neue Job auf 1053 Metern eher als kurzfristiges Abenteuer angelegt, bis zur Rente wollten die beiden „Berg-Einwanderer“ aus dem Vogtland jedenfalls nicht bleiben. „Wir hatten weder einen Businessplan noch irgendein besonderes Gastronomiekonzept im Gepäck“, erinnert sich Gruber schmunzelnd. „Wir wollten einfach mal etwas Neues ausprobieren und ein, zwei Sommer im Gebirge arbeiten.“ Mittlerweile sind schon zwei Jahrzehnte ins Land gegangen, und der beliebte Voralpen-Stützpunkt der Alpenvereinssektion München zieht Kraxler, Tourengeher und Ausflügler an wie ein Magnet.
Das Erfolgsrezept: eine gute Küche mit möglichst viel hausgemachten und einheimischen Produkten, darunter Käse, Marmelade, Wild, Speck, Geräuchertes, Eier und sogar Frühstückssemmeln und Knödelbrot.
Alleine könnte das Pächterpaar den Ansturm nicht bewältigen. Gruber weiß das –und setzt daher auf eine Art Hütten-Seilschaft: „Das Vermögen eines Betriebs ist das Vermögen seiner Mitarbeiter. Wir sind froh, dass wir so viele fähige Kollegen haben, die unser Team mit ihrem Können bereichern.“
Einer dieser Pfundskerle ist Andreas Loidl. An Spitzentagen schiebt der 43-jährige Bäcker aus Bad Feilnbach über 200 Brote in den Backofen. Hetzen lässt er sich dabei allerdings nicht. „Slowbacking“ lautet das neudeutsche Motto auf der Albert-Link-Hütte – oder anders ausgedrückt: Das Brot gibt’s erst dann, wenn es fertig ist, auf eine Stunde mehr oder weniger kommt es nicht an. „Wir verwenden vor allem Dinkelmehl, das braucht etwas mehr Zeit, um aufzugehen. Die Herstellung unserer Brote dauert drei Tage“, erzählt Loidl. Dafür schmecken sie auch länger als Industrielaibe. Vier bis fünf Tage bleiben sie frisch – vorausgesetzt, man lagert sie richtig. „Am besten in einem Tontopf oder in einer Papiertüte, immer mit dem Anschnitt nach unten“, rät der Bäcker.
Sein Kollege Marian Varga schwenkt derweil in der Küche den Teig für den Kaiserschmarrn in Butterschmalz. Der Klassiker wird gleich noch karamellisiert und anschließend mit Pflaumen- oder Apfelmus serviert. Bei so viel Genuss auf der Alm sollen übrigens nicht mal die Vierbeiner auf der Strecke bleiben: Für sie gibt’s selbst gebackene Hundekekse.