Die Brauerei mit den 5200 Inhabern

von Redaktion

Die Klosterbrauerei Reutberg ist eine Genossenschaft. Jeder kann Anteile kaufen. Doch das haben so viele Bayern getan, dass es aktuell einen Aufnahmestopp gibt. Kein Wunder, denn die Brauerei bietet nicht nur 13 verschiedene Sorten an – sondern liegt auch direkt neben einem der schönsten oberbayerischen Biergärten.

VON MATTHIAS BIEBER

Reutberg – Seit 2001 ist Stephan Höpfl Geschäftsführer der Klosterbrauerei Reutberg im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen – gleich „neben einem der schönsten Biergärten in Oberbayern“, wie Höpfl sagt. Werbung braucht er nicht dafür zu machen, auch wenn die Brauerei der Verpächter ist.

Das Besondere an seiner Brauerei ist: Sie ist eine Genossenschaft. Mit ein paar Jahren Geduld und mindestens drei Anteilen à 100 Euro kann jeder Mitinhaber der Brauerei werden. „Mittlerweile beträgt die Wartezeit so drei, vier Jahre“, erzählt Höpfl. Weil bei rund 5200 Mitgliedern Aufnahmestopp ist. „Wir arbeiten gerade die Anträge von 2016 ab.“ Mehr sei wegen der Verwaltung, Organisation und der alljährlichen Mitglieder-Versammlung im März auch nicht drin. Zu so einer Versammlung im Bierzelt kommen rund 2000 Mitglieder. „Manche Mitglieder haben bis zu 50 Anteilsscheine“, verrät der 47-Jährige. Wer, das ist geheim. Bekannt ist nur, dass illustre Personen wie der CDU-Politiker Friedrich Merz, CSU-Landtagspräsidentin Ilse Aig–ner und Bayerns Ex-Kunstminister Wolfgang Heubisch Anteile am Klosterbier halten. Bei der Jahresversammlung erhält übrigens jedes Mitglied zwei Mass Bier und einen Schweinsbraten oder wahlweise ein Hendl gratis.

Wie kam’s zur Genossenschaftsbrauerei? Höpfl erzählt: „Nach dem Ersten Weltkrieg und während der Inflation fehlte es an Geld und Brauer-Fachleuten. Acht Monate musste sogar mal zugesperrt werden. Damals entstand die Idee einer Brauerei-Genossenschaft.“ Die Gründung fand am 24. Oktober 1924 statt, 42 Genossen waren beteiligt. „In den Anfängen erhielten sie übrigens das Bier günstiger.“ Was heute noch gilt: „Wir liefern an unsere Anteilseigner das Bier aus, zumindest in einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern.“

Die Klosterbrauerei bietet mittlerweile 13 Sorten an – Helles („mit kräftigerer Farbe, des hat schon an Charakter“), Export („no a bisserl besser g’hopft“), Märzen, Bock, Ägidiustrunk, Weißbiere und mehr. Der Hopfen stammt seit Jahrzehnten vom gleichen Bauern in der Hallertau. Die Brauerei hat 17 Mitarbeiter, darunter zwei Braumeister, zwei Brauer und zwei Lehrlinge. Im Jahr werden rund 22 000 Hektoliter ausgestoßen.

Höpfl muss wieder an die Arbeit. Und freut sich, dass das Klosterbier auch den nächsten Sturm vor 30 Jahren überstanden hat. Denn damals wäre Reutberg fast mit zwei weiteren Brauereien fusioniert worden. Die Holzkirchner seien heute noch neidisch auf Reutberg. „Fast wäre bei uns zugesperrt worden.“ Doch weil dem nicht so ist, wird sich Höpfl nach getaner Arbeit noch ein Helles im Reutberger Biergarten gönnen und den einmaligen Blick ins Oberland genießen.

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