Paten bringen Wiesen zum Blühen

von Redaktion

VON KATHRIN BRACK

Niederding – Anna Brandhuber reibt den wilden Dill vorsichtig zwischen den Fingern. „Schaun’s“, sagt sie und zeigt ins Feld, „da ist wilder Koriander.“ Klatschmohn, Kornblumen, Malve, Arnika und natürlich Sonnenblumen: Auf der Wiese am Ortseingang von Niederding (Kreis Erding) wachsen in diesem Jahr heimische Pflanzen, „die man sonst kaum mehr sieht“. Sebastian Stemmer hat die Wiese angelegt, 17 000 Quadratmeter vom Saatgut „Veitshöchheimer Bienenweide“.

Nach dem Erfolg des Volksbegehrens zum Artenschutz hatte der junge Landwirtschaftsmeister nach Paten gesucht, die nicht nur für den Artenschutz unterschreiben, sondern auch aktiv werden wollen. 50 Euro kostet die Patenschaft für 100 Quadratmeter Wiese für ein Jahr. Ursprünglich wollte der 25-Jährige 4500 Quadratmeter für maximal 45 Paten anbieten. „Am Ende sind’s 138 Paten geworden“, sagt Stemmer. Viele davon kommen aus München. Einige wie Anna Brandhuber, die in Notzing wohnt, aus umliegenden Orten.

Seit er im Frühjahr die Ackerfläche vorbereitet und das Saatgut ausgebracht hat, versorgt Stemmer seine Paten mit Informationen, hat alle, die zugestimmt haben, in eine WhatsApp-Gruppe aufgenommen. Am Feldrand steht außerdem ein großes Holzschild, auf dem alle Paten verewigt sind. Neben Privatpersonen haben sich auch Firmen bei Stemmer gemeldet – und die Realschule Gauting (Kreis Starnberg).

Vorwürfen, er würde großen Profit mit seinen Blühpatenschaften machen, kontert der Landwirtschaftsmeister: „Das Saatgut kostet pro Hektar 400 Euro, ich habe auf der Fläche keine Ernte – und auch eine Blühwiese macht Arbeit. Letztlich muss ich mit meiner Fläche wirtschaften.“ Voriges Jahr stand Silomais auf dem Acker.

Da macht die Blühwiese schon mehr her. Anna Brandhuber sieht aber vor allem die ökologischen Aspekte: „Die Fläche liegt nicht brach, es wird nicht gedüngt und stattdessen was für den Boden getan“, sagt sie. „Und als Landwirt gehört Sebastian für seine Arbeit entlohnt.“

So sieht es auch Claudia Beil: „Jahrelang hat die Politik nichts getan, aber immer wurde auf die Landwirte eingedroschen.“ Die Eichenkofenerin (Kreis Erding) kauft regelmäßig Gemüse im Hofladen der Stemmers ein und hat sich gleich zu Beginn eine Patenschaft gesichert. „Beim Volksbegehren war ich unschlüssig, ob ich unterschreiben soll“, sagt sie. „Aber ich unterstütz’ es gern, wenn jemand modern und nachhaltig wirtschaftet und dabei traditionell bleibt.“ Sie schaut regelmäßig an der Blühwiese vorbei, wo sich Bienen und Hummeln in Scharen tummeln. Der Landwirt arbeitet mit Imkern zusammen, mitten in der Wiese stehen Bienenkästen.

Für Sebastian Stemmer ist sein Patenprojekt ein Erfolg. „Abgesehen davon ist es ein Aushängeschild an der Ortseinfahrt“, sagt er. Voraussichtlich bietet er im kommenden Jahr wieder eine Fläche an. „Allerdings dann an anderer Stelle.“ Zwei Patinnen, die von der Blühwiese überzeugt sind, hat er auf jeden Fall schon.

Das Blühwiesenprojekt

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