Kollnburg – Dass Josefa Schmid bundesweit bekannt ist, liegt weniger daran, dass die 45-Jährige Rathauschefin in der 2800-Seelen-Gemeinde (Landkreis Regen) ist, als vielmehr an ihren originellen Auftritten und unkonventionellen Ideen. Mit einer Annonce, in der sie im Deutschen Ärzteblatt einen Landarzt nach Kollnburg locken will, hat sie wieder die erwünschte Aufmerksamkeit bekommen – und zwar durch den vielsagenden Zusatz: „Die Bürgermeisterin ist noch unverheiratet!“ Eine Kontaktanzeige – mit Augenzwinkern – unter dem honorigen Wappen der Gemeinde, Zinnen und bayerischen Rauten.
„Man muss auch mal quer denken, es humorvoll versuchen“, erklärt die Bürgermeisterin ihren Coup. „Hier gibt es seit den Neunzigerjahren keinen Hausarzt, und jetzt steht eine geeignete Immobilie für eine Praxis zur Verfügung, eine Ex-Pizzeria, da musste ich handeln.“ Ihr Ansatz, ein Erfolg. Ein Dutzend ernsthafte Bewerbungen von Medizinern seien eingegangen, berichtet sie.
Gestern telefonierte die findige Rathauschefin mit einer Ärztin, die aus dem Raum Frankfurt gerne mit ihrer Familie nach Niederbayern kommen würde. Gerade in eine Gemeinde, deren Bürgermeisterin sich persönlich dermaßen für die medizinische Versorgung einsetzt, sagt Schmid und lacht. Wie viele der etwa drei Dutzend Zuschriften aus dem arabischen Raum sich wirklich nur für die Arztstelle interessieren, kann Schmid noch nicht sagen. „Das muss ich mir näher anschauen.“ Gleiches gilt für die 800 Freundschaftsanfragen, die sie seit dem Wirbel um die Anzeige auf Facebook erhalten hat. Was dieser kleine Zusatz für große Wirkung entfaltet“, freut sich Schmid. „Wir haben damit überhaupt nicht gerechnet und werden da auch ein bisschen überrollt.“
Ob das Erstaunen ganz echt ist? Die gebürtige Viechtacherin ist schließlich Publicity-Profi. Öffentlichkeitswirksam hat sie politisch bisher CSU, Freie Wähler (für die sie trotz CSU-Mitgliedschaft zur Bürgermeisterwahl antrat) und FDP ausprobiert, musikalisch unterschiedliche Stilrichtungen. Als singende Bürgermeisterin intonierte sie 2013 im Internet Rainhard Fendrichs „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“. Später schwenkte sie auf Swing um. 2006 ließ sie sich in einer Passauer Diskothek bei einem Casting für das Magazin Penthouse im Bikini fotografieren. Ein Versuch, mit „weiblichen Waffen“ darauf hinzuweisen, wie schwer es Frauen immer noch im Männergeschäft Politik haben.
2008 wurde sie zur Rathauschefin gewählt und 2014 im Amt bestätigt. Hauptberuflich ist Schmid Regierungsrätin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Bei ihrem Gastspiel in Bremen machte sie im April 2017 auf vermeintlich tausendfache Unregelmäßigkeiten aufmerksam – was sich letztlich als Fehleinschätzung erwies. Doch das ist eine andere Geschichte.