Moore – die unterschätzten Klimaschützer

von Redaktion

Moore leisten sehr viel mehr für den Klimaschutz als vielen Menschen bewusst ist. In Bayern aber sind nur noch fünf Prozent der Moore intakt. Jetzt aber setzt ein Umdenken ein. Entwässerte Moorflächen sollen renaturiert werden – vorausgesetzt, die Grundstückseigentümer spielen mit.

VON BEATRICE OSSBERGER

München – In der Debatte um mehr Klimaschutz spielen sie, zumindest in der Öffentlichkeit, bisher keine große Rolle. Dabei sind sie für die Menschen nicht nur unverzichtbar, sie tragen auch weit mehr zum Klimaschutz bei als vielen bewusst ist. „Nur drei Prozent der Erdoberfläche sind mit Mooren bedeckt. Aber sie speichern doppelt so viel CO2 wie weltweit alle Wälder zusammen“, sagt Claus Kumutat, Präsident des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LFU).

Moore sind einzigartige Ökosysteme. Sie bieten vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Als natürlicher Schwamm sorgen sie für den Schutz vor Hochwasser, als Filter reinigen sie das Grundwasser von Verunreinigungen. Vor allem aber sind sie hocheffektive Klimaschützer – vorausgesetzt, sie sind intakt. Genau das ist das Problem. In Bayern, mit etwas mehr als 220 000 Hektar Moorfläche das moorreichste Bundesland Süddeutschlands, sind nur noch fünf Prozent der Moore unversehrt. Dazu gehört beispielsweise das Murnauer Moos (Landkreis Garmisch-Partenkirchen), die Moore um die Wies in der Gemeinde Steingaden (Landkreis Weilheim-Schongau) und das Moor rund um den Kirchsee nordöstlich von Bad Tölz.

In den vergangenen Jahrzehnten gingen in Bayern die meisten Moore indes verloren. Sie wurden trockengelegt, um Platz zu schaffen für landwirtschaftliche Flächen oder für den Bau von Straßen oder Siedlungen. Klimaschutz hat damals noch kaum jemanden interessiert. Erst jetzt, da der Schutz der Natur in Gesellschaft und Politik an Bedeutung gewinnt, setzt eine Gegenbewegung ein. Statt Moore weiter trockenzulegen werden sie nun renaturiert. Bereits 2014 hat sich die bayerische Staatsregierung im Klimaschutzprogramm 2050 dazu verpflichtet, 50 Moore in Bayern wieder zu vernässen. Bereits geschehen ist das etwa im Kläperfilz (Landkreis Weilheim-Schongau) oder im Felmer Moos im Ostallgäu.

„Moorrenaturierung ist hocheffektiver Klimaschutz“, sagt Kumutat. Denn Moore können noch sehr viel mehr als CO2 zu binden. Auch andere klimaschädliche Gase wie Stickstoff werden dauerhaft der Atmosphäre entzogen. Das Problem beginnt, wenn Moore entwässert werden, und die Pflanzenmasse wieder mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Dann werden diese Gase, unter anderem auch das besonders klimaschädliche Lachgas, freigesetzt.

Ein Vergleich macht die Dimensionen deutlich: „Jeder Hektar entwässertes Hochmoor setzt die gleiche Menge an Kohlendioxid frei wie ein Mittelklassewagen, der 20 000 Kilometer im Jahr fährt“, sagt Kumutat. Die Emissionen entwässerter Moore machen laut bayerischem Umweltministerium fünf Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Bayerns aus.

Ein Moor zu renaturieren sei grundsätzlich nicht schwer, sagt Kumutat. Zuerst werden von der Fläche Bäume und Gehölze entfernt, die nicht in die ursprüngliche Moorlandschaft gehören. Dann werden die Entwässerungskanäle dichtgemacht oder Dämme gebaut, damit der Wasserspiegel wieder steigt. „Mehr Maßnahmen sind nicht nötig“, sagt Kumutat. „Den Rest erledigt die Natur ganz von selbst.“

Schwieriger dagegen ist oftmals der Beginn. Denn bevor ein Moor renaturiert werden kann, müssen sich die Grundstückseigentümer einig sein. „So eine Moorfläche kann durch vorangegangene Erbteilung sehr vielen, verschiedenen Eigentümern gehören. Und gegen den Widerstand der Eigentümer haben wir keine Handhabe“, sagt Kumutat.

Sie müssten oft sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, mit sehr viel Aufklärung und sehr viel direkter Ansprache. „Aber wenn einige Eigentümer an Bord sind, fällt es oft leichter, die anderen zu überzeugen“, sagt Kumutat.

Geklappt hat das jetzt auch im Münsinger Filz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Zwei Drittel der Grundstückseigentümer haben ihre Parzellen für das Renaturierungsprojekt Tölzer Moorachse zur Verfügung gestellt. Noch in diesem Winter soll mit den ersten Arbeiten begonnen werden.

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