München/Lindau – Noch zwei Jahre, dann soll es mit der Bahn schneller durchs Allgäu Richtung Lindau und Schweiz gehen. Für 650 Millionen Euro wird die über 150 Kilometer lange Bahnstrecke modernisiert. 50 Millionen der Baukosten trägt die Schweiz, die erhebliches Interesse an der Beschleunigung der Strecke hat.
Bei einem Eckpfeiler des Projekts, der Elektrifizierung zwischen Geltendorf und Lindau, ist die Bahn nun einen guten Schritt vorangekommen, wie sie gestern bei einer Zwischenbilanz bekannt gab: Auf mehr als 100 Kilometern ist der Fahrdraht schon gezogen. Daneben werden Brücken neu gebaut, Gleisabschnitte begradigt und sechs neue Stellwerke errichtet. Auch in den Details liest sich das beeindruckend: Es werden 3500 Oberleitungsmasten gesetzt, 27 Bahnübergänge und 43 Straßenbrücken modernisiert. 100 der 650 Millionen Euro fließen in den Lärmschutz – in 26 Kilometer Lärmschutzwände und in etliche Schallschutzfenster.
Derzeit finden die meisten Arbeiten im Allgäu bei Wangen und weiter westlich statt. Gestern begannen die Arbeiten zum Neubau von zwei Brücken in Wangen – die alten Bauwerke sind 130 Jahre alt. Eine Brücke mit 116 Metern Länge über den Fluss Oberer Argen ist das aufwendigste Bauwerk. „Wir errichten die neue Brücke neben der alten, reißen diese dann ab und schieben die neue Brücke an die richtige Position“, sagte Projektleiter Matthias Gunsch.
In eine Großbaustelle haben sich auch die Bahnanlagen bei Lindau verwandelt. Dort werden die Eurocitys künftig nicht mehr auf dem Inselbahnhof halten, sondern an einem neuen Bahnhof auf dem Festland in Lindau-Eutin. Der Bahnhof erhält zwei Bahnsteige und einen barrierefreien Zugang.
Ab Juli 2020 soll der Strom an der Strecke eingeschaltet werden. Dann sind die lärmenden Dieselloks der legendären Baureihe 218, die die Strecke derzeit befahren (sofern nicht Baustelle ist), Geschichte. Es beginnen Testfahrten mit einem Zug der neuen Generation. Ab Dezember soll der fahrplanmäßige Verkehr beginnen. Wenn es klappt, werden neue Schweizer Neigetechnikzüge des Typs „Astoro“ in dreieinhalb Stunden von München nach Zürich flitzen – mit Tempo 160 km/h und insgesamt eine Stunde schneller als bisher. Die Bahn hofft, dass sie dem Fernbus Marktanteile abnehmen kann.