Retter in der Baustellen-Falle

von Redaktion

Die vielen Baustellen im Sommer stellen Autofahrer auf eine Geduldsprobe, den Rettungsdienst können sie jedoch lebensentscheidende Minuten kosten. Deshalb sendet das BRK nun einen dringenden Appell an die Bauämter. Die Retter hoffen auf Absprachen – und vor allem auf mehr Verständnis.

VON KATRIN WOITSCH

München – Neulich hat es Leonhard Stärk in seiner Heimat Miesbach selbst erwischt. Er stand mit dem Auto plötzlich vor einer Baustelle im Ort, von der er nicht gewusst hatte. Es gab kein Durchkommen mehr, der Umweg kostete ihn knapp eine Viertelstunde. Stärk hatte die Zeit – aber als Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes denkt er in einer solchen Situation automatisch an die Rettungswagen. „Im Ernstfall können ein paar Minuten lebensentscheidend sein“, sagt er.

Vor allem in den Sommermonaten, in denen wegen der Ferienzeit besonders viel gebaut wird, ist es nicht abwegig, dass auch der Rettungsdienst plötzlich vor einer Baustelle steht und nicht weiterkommt. Es kommt sogar relativ häufig vor, wie eine Umfrage des BRK unter den 73 Kreisverbänden ergeben hat. Nur zehn davon berichteten, dass sie dieses Problem noch nicht hatten. Die anderen meiden bestimmte Strecken bereits, weil ein Durchkommen dort nur schwer möglich ist, oder fordern, dass es bessere Absprachen geben müsste. „Auf dieses Ergebnis waren wir nicht gefasst“, sagt Stärk. Wie häufig es auf den Einsatzfahrten Probleme wegen Baustellen gibt, war auch dem BRK zuvor nicht bewusst.

Oftmals würden Rettungsfahrzeuge sogar Sirene und Blaulicht abschalten – weil es keine Chance mehr auf ein Durchkommen gebe. Selbst kleinere Autos können in vielen Baustellenbereichen nicht ausweichen. Weil der Platz fehlt – und weil die Rettungswagen auch größer geworden sind, erklärt Stärk. In solchen Situationen bleibe den Einsatzkräften nichts anderes übrig, als der Leitstelle zu melden, dass der Weg blockiert ist. „Dann muss ein weiterer Rettungswagen aus anderer Richtung losgeschickt werden“, erklärt Stärk. Das wiederum bedeute aber für das BRK eine Überlastung. „Wir bauen in den Sommermonaten enorme Überstunden auf“, erklärt er. „Diese Zeit ist für uns wirklich kritisch.“

Deshalb will das Rote Kreuz nun das Gespräch mit den Bauämtern suchen. Auch ein Treffen mit den Kommunalen Spitzenverbänden sei geplant, berichtet Stärk. Das BRK hofft darauf, künftig stärker in die Baustellen-Planung eingebunden zu werden. Rettungswege müssten mehr berücksichtigt werden, betont er. „Für uns wäre es aber schon eine große Hilfe, wenn wir über geplante Baustellen informiert werden würden.“ Dann könnte der Rettungsdienst Ausweichrouten suchen und würde im Einsatz nicht wertvolle Minuten verlieren. Zumal das BRK auch verpflichtet ist, bei 89 Prozent der Einsätze die Zwölf-Minuten-Hilfsfrist einzuhalten. Je mehr Baustellen, desto schwieriger wird das, erklärt Stärk. „Wir hoffen, dass wir mit unserem Anliegen Gehör finden.“ In der Vergangenheit war das nicht immer der Fall. Ein Kreisverband berichtete von einem Gespräch mit einem Stadtbaumeister. Der solle gesagt haben: „Der Rettungsdienst soll sich nicht so anstellen, dann müssen sie halt mal zu Fuß gehen.“

Auch BRK-Präsident Theo Zellner kann bei so einer Äußerung nur den Kopf schütteln. „In vielen Fällen fehlt einfach das Verständnis, den Rettungsdienst als unverzichtbares Element der Daseinsvorsorge wahrzunehmen“, sagt er. „Es geht schließlich nicht um irgendeine Dienstleistung, die behindert wird – sondern um die Rettung von Menschenleben.“

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