Grafing – Leise schnurrt der E-Bus die Landstraße entlang. Nur zwei Fahrgäste sitzen während der kurzen Fahrt von Grafing Stadt nach Grafing Bahnhof im Landkreis Ebersberg noch in dem nagelneuen Gefährt. Nein, sagt eine ältere Frau, dass der Bus eine Neuheit sei, habe sie gar nicht bemerkt. „Aber es stimmt: Er rappelt nicht so wie unsere alten Busse. Das ist ein anderes Geräusch.“
„Zero emission“ prangt unübersehbar am Heck des Busses. Wer genauer hinschaut, entdeckt französische Nummernschilder. Denn der Bus ist ein Franzose – eine Leihgabe des Herstellers Heuliez. Noch bis Freitag fährt er auf der Linie 443 und 447 zwischen Aßling bis Grafing sowie in Steinhöring.
Ein reiner Landeinsatz also. „Das ist neu und schwieriger als ein reiner Einsatz innerorts“, sagt MVV-Pressesprecherin Franziska Hartmann. Im Landkreis schwingt Optimismus mit, dass sich das Fahrzeug bewährt: „Wir hoffen auf positive Erfahrungen“, erklärt Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß (CSU).
Ganz reibungslos ist der Start indes nicht verlaufen. Am vergangenen Montag war der Bus erstmals den ganzen Tag im Einsatz. Dann ging es über Nacht ins Depot des Busunternehmens Reisberger in Frauenneuharting zum Aufladen. Als die Frühschicht am Dienstag begann, stellte sich heraus, dass der Bus nicht voll aufgeladen war. „Um 5 Uhr früh hatte er nur 40 Prozent“, sagt Fahrer Petar Drumer. Und auf der nur gut zehn Kilometer langen und manchmal leicht hügeligen Strecke von Aßling nach Grafing hat er schon gleich fünf Prozent der Stromleistung verzehrt – und dabei fuhr er fast leer, denn um 11 Uhr vormittags hatten sich nur vier bis fünf Fahrgäste in den Bus verirrt. „Wer weiß, wie es ist, wenn der Bus voll besetzt ist“, meint Drumer. Er klingt leicht skeptisch.
Der Landkreis Ebersberg ist nicht das einzige Testgebiet für E-Busse. Im Nachbarlandkreis München soll im Dezember ein ambitionierter Versuch starten: Die Buslinie 232, die innerorts die Haltestellen in Unterföhring abklappert, soll komplett auf E-Verkehr umgestellt werden. Im September beginnen Testfahrten. Busunternehmer Josef Ettenhuber hat drei E-Busse des polnischen Herstellers Solaris gekauft. Das lag nahe, denn der Großteil seiner Diesel-Busflotte ist ebenfalls von Solaris. „Dann tut man sich beim Austausch von Ersatzteilen leichter“, sagt Ettenhuber. Auch drei Schnellladesäulen hat er auf seinem Betriebshof in Feldkirchen installiert – die Busse müssen schließlich nachts aufgeladen werden. Tagsüber steht die Anlage nahe dem Autobahnkreuz München-Ost auch für E-Autos zur Verfügung.
Noch einen Schritt weiter als die Landkreise ist die Stadt München. Die MVG setzt bereits seit März zwei E-Busse auf der Museumslinie (Hauptbahnhof–Odeonsplatz–Ostbahnhof) ein, bis Ende des Jahres kommen vier weitere E-Busse hinzu. 2020 fahren die ersten beiden 18 Meter langen E-Gelenkbusse – alle geliefert vom niederländischen Hersteller Ebusco. 2021 ist die Eröffnung eines neuen Betriebshofs in München-Moosach mit 56 Ladestationen geplant.
Bis dahin dürften auch im Umland noch mehr E-Busse fahren. „Wir haben vor, auch in anderen Landkreisen Tests zu machen“, sagt die Sprecherin des MVV. Der Landkreis Fürstenfeldbruck zum Beispiel hat Interesse, wartet aber zunächst ab, ob die Busse sich in Unterföhring bewähren. Statt E-Busse hat man hier vorerst auf Hybrid – also Diesel-/Elektro-Fahrzeuge – gesetzt.