München – In seiner Heimat Syrien war Salar Osman ausgebildeter Krankenpfleger. Er hätte sich keinen anderen Beruf vorstellen können. Dann begann der Krieg und veränderte sein Leben komplett. Der 30-Jährige flüchtete 2014 nach Bayern. Seine Zeugnisse konnte er nicht mitnehmen, deshalb wurde sein Abschluss in Deutschland nicht anerkannt. Im Sprachkurs erfuhr er von einem Ausbildungsprojekt der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Osman bewarb sich, wurde genommen und bestand alle Prüfungen. Heute ist er Busfahrer in München – und stolz auf seinen Beruf. „Ich fahre gern durch die Stadt“, sagt er. „Es ist sehr viel Verantwortung. Hier gibt es so viele Fahrradfahrer – und jetzt auch viele Roller.“
Osman ist einer von 27 Geflüchteten, die erfolgreich an dem Kooperationsprojekt teilgenommen haben und nun als Busfahrer oder U-Bahnfahrer in München arbeiten. Die Stadtwerke München (SWM), die MVG, das Jobcenter und die Beruflichen Förderzentren der Bayerischen Wirtschaft haben sich 2017 zusammengetan, um Flüchtlinge als Fahrer für Bus und U-Bahn auszubilden. „Anfangs war etwas Werbung nötig“, sagt Günther Goth vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft. Inzwischen sei die Nachfrage groß.
Und das ist auch gut so, betont Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Denn der Personalbedarf bei der Bahn und im öffentlichen Nahverkehr sei groß, auch andere Unternehmen würden dringend Fachkräfte brauchen. Herrmann zog gestern in München insgesamt eine sehr positive Bilanz über die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. 54 900 Menschen aus den acht häufigsten Herkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) waren im Mai dieses Jahres sozialversicherungspflichtig beschäftigt, berichtete er. Ein Anstieg um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Nach jüngsten Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit werde erwartet, dass spätestens fünf Jahre nach dem Zuzug mindestens die Hälfte der seit 2015 nach Deutschland Geflüchteten Arbeit haben. „Wir dürften in Bayern angesichts unserer hervorragenden Lage am Arbeitsmarkt noch darüber liegen“, bilanzierte Herrmann zufrieden. Der Freistaat habe mit 5,9 Prozent die bundesweit niedrigste Ausländer-Arbeitslosenquote. „Trotzdem dürfen wir uns auf unseren Erfolgen nicht ausruhen“, betonte Herrmann. „Unser Ziel muss es sein, die Quote weiter zu steigern.“
Das Integrationsprojekt für den Fahrdienst bei der MVG läuft nach zwei Jahren so gut, dass zusätzliche Kurse geplant werden. Die ergänzenden Sprachkurse werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert. Denn gute Sprachkenntnisse seien das A und O, betont Beatrix Widmer, Leiterin im Bereich Personal bei SWM und MVG. Die angestellten Fahrer besitzen alle Sprachzertifikate auf B2-Niveau. Einer von ihnen ist der 51-jährige Syrer George Kasho. Für ihn ist die Sprache bei seinem Beruf als Busfahrer besonders wichtig, sagt er. „Das Schönste an der Arbeit sind ja die Gespräche mit den Fahrgästen.“ KATRIN WOITSCH