Entführungsfall Ursula Herrmann: Bruder zieht Schlussstrich

von Redaktion

Kampf um Wiederaufnahme des Verfahrens aufgegeben – Weiter Zweifel an der Täterschaft des Verurteilten

Eching – Die Gewalttat an der kleinen Ursula Herrmann gehört zu den größten Kriminalfällen Deutschlands. Das Mädchen wurde 1981 entführt und erstickte in einer im Wald vergrabenen Kiste am Ammersee. Wegen der Entführung sitzt Werner M. eine Haftstrafe ab. Ursulas Bruder Michael hatte dessen Schuld immer wieder bestritten und alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Nun will er nach Informationen des Bayerischen Rundfunks einen Schlussstrich ziehen. Trotz seiner Vorbehalte werde es keine neuen Ermittlungen geben. Michael Herrmann hatte zuletzt auch eigene Unterlagen bei der Augsburger Staatsanwaltschaft eingereicht. Nachdem diese jetzt weitere Ermittlungen ausschloss, ließ Herrmann gestern über seinen Anwalt mitteilen, dass er nicht weiter für eine Wiederaufnahme kämpfen werde.

In einer Mitteilung erklärte die Staatsanwaltschaft Augsburg, dass die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Falls nicht gegeben seien: „Die Hinweise bieten keine ausreichende Grundlage dafür, das Gesamtgefüge der Indizien, auf dem das rechtskräftige Urteil des Landgerichts Augsburg vom 25. März 2010 basiert, zu erschüttern“, so Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai.

An jenem Tag wurde Werner M. nach einem mehrere Wochen dauernden Prozess in Augsburg wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge verurteilt. Seine ebenfalls angeklagte Ehefrau wurde freigesprochen. Der BGH bestätigte später die lebenslange Haft gegen M. (wir berichteten).

Trotz aller Bedenken wolle sein Mandant jetzt einen Schlussstrich ziehen, erklärte sein Anwalt. Michael Herrmann werde die Entscheidung der Staatsanwaltschaft respektieren, auch wenn er anderer Auffassung sei. „Herr Herrmann hat sich über Jahre der Öffentlichkeit ausgesetzt. Dies findet hiermit sein Ende.“  mm

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