Lambrusco, ja bitte!

von Redaktion

Balsamessig, Parmesan, Parmaschinken: Aus der Emilia Romagna kommen einige der bekanntesten Delikatessen weltweit. „Essen ist unsere Kultur“, sagen Sabrina Rossetti und ihr Mann Angelo Abussi. Die beiden Wahlmünchner nehmen uns kulinarisch mit in ihre Heimat: „So schmeckt unser Italien.“ Darauf stoßen sie mit einem Glas Lambrusco an.

VON STEPHANIE EBNER

Kein anderer Wein ist weltweit so gefürchtet wie der Lambrusco: Allein der Gedanke an den Rotwein mit Kohlensäure lässt den Kopf schmerzen. „Völlig zu Unrecht“, sagt Sabrina Rossetti und lässt den Korken wie bei einer Champagner-Flasche knallen. Das Getränk perlt im Glas – und überzeugt. Als Aperitiv, zum Hauptgang und schließlich zum Dessert.

Die Absolventin der European Wine Education und ihr Mann haben es sich zur Aufgabe gemacht, uns heute die Küche ihrer Heimat vorzustellen. Eine kulinarische Reise, mitten in München, die sich lohnt.

Das Ehepaar stammt aus der Emilia-Romagna. Die meisten Urlauber lassen die Region auf dem Weg in die Toskana unbeachtet links liegen. Wenngleich sie bei Gourmets bestens bekannt ist: Balsamessig, Parmesan, Parmaschinken – alles aus der Region. Nicht zu vergessen der Lambrusco. Eine italienische Spezialität, die gerade dabei ist, ihr Billigimage abzulegen. Tempi passati. Ganz nebenbei: „Selbst ein edler Lambrusco kostet selten über zehn Euro“, sagt die Fachfrau. Und bereitet am nächsten Tag garantiert keine Kopfschmerzen.

Im Oktober ist es zehn Jahre her, dass das Paar nach München kam. Ursprünglich wollten die beiden Absolventen der renommierten Gastronomie-Schule in Ferrara nur ein halbes Jahr an der Isar bleiben – „unser Ziel war eigentlich Spanien“. Doch dann hatten sie feste Jobs und blieben.

Seit zwei Jahren ist Angelo Abussi jetzt Küchenchef der „Neuhauser Wohnküche“, Sabrina Rossetti arbeitet dort als Sommlière und im Service. „Unser Job ist unsere große Leidenschaft“, sagen beide. Auch in ihrer Neuhauser Wohnung dreht sich alles ums Essen.

Dass Angelo Abussi den Beruf des Kochs erlernte, war zunächst eher Zufall: „Ich wollte einfach weiter auf die Schule gehen.“ Bis dato hatten nur die Abussi-Mamas den Kochlöffel geschwungen – und das ausschließlich für die Familie. „Die Pasta meiner Oma war sensationell.“

Bei Sabrina Rossetti war es der Großvater, der den Grundstock legte. „Er hat Brennnesseln gesammelt und daraus ein Risotto gekocht.“ Als junge Frau wollte sie Köchin lernen, da „es mir in der Küche aber zu heiß war“, wechselte sie in den Service.

Sie kommen aus einer kulinarisch besonderen Gegend, haben aber auch in all den Jahren die Spezialitäten hierzulande schätzen gelernt. „Es geht nichts über eine knusprige Schweinshaxn“, schwärmt Angelo Abussi. Nur mit Sülzen kann er sich überhaupt nicht anfreunden.

Zwei bis dreimal im Jahr fährt das Ehepaar mit den beiden Kindern Matteo (4) und Anita (2) in die Heimat. Mit einem Kleinbus. „Wir nehmen uns immer ein Stück Heimat mit nach München“, sagen sie lachend. Pancetta, vom Schwager selbst gemacht, einen 30 Monate gelagerten Parmesan („Alles darunter ist Gummi.“) und eben Lambrusco. Ein perlender Rotwein, der kalt und das ganze Jahr getrunken wird. „Idealerweise hat er um die 12 Grad“, erklärt Sabrina Rossetti. Er passt zu schwerem Essen wie Schweinefleisch und hausgemachter Pasta. Sabrina Rossetti: „In der Emilia Romagna lieben es die Menschen, in die Hühnerbrühe mit Tortellini zum Schluss einen Schuss Lambrusco zu gießen.“

Traditionell beschließt man ein Festessen in der Heimat der beiden Gourmets mit einem süßlichen Lambrusco. Darin wird eine Brazadela eingetaucht. Das kennt man sonst nur vom Vino Santo. Rot. Kalt. Schäumend. Das ist der Lambrusco. Für uns ein cooler Überraschungseffekt zum Schluss. Für Sabrina Rossetti Kindheitserinnerung pur: „Dieses Dessert haben wir als Kinder geliebt“, erzählt sie und strahlt dabei. Die Emilia Romagna ist mitten in München angekommen.

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