Greußenheim – Erblickt er einen großen Keiler, schnelle das Adrenalin hoch, erzählt Berthold Kirchner: „Wenn da jemand kein Herzrasen kriegt, sollte er den Jagdschein abgeben.“ Das sagt eigentlich schon alles über die Jagdleidenschaft des 54-Jährigen aus. Kirchners Revier liegt in Greußenheim bei Würzburg. Auf seinen Streifzügen begleitet ihn nur sein Hund Jonny, ein Parson Russel Terrier.
Die Tiere spürt der Jäger mit einer Wärmebildkamera auf. Schließlich ist es stockfinster, außer bei Vollmond. Die Kamera sei ein großer Fortschritt. „Gestern erst habe ich so über 100 Tiere gesehen“, sagt Kirchner. Die meisten werden erst nach Sonnenuntergang richtig aktiv. Kirchners Jagdgebiet misst fünf Quadratkilometer. Bis zu 15 Kilometer läuft er pro Nacht. „Nur auf einem Hochsitz sitzen – das war einmal.“ Es gebe viel zu schießen. 132 Wildschweine erlegte er vergangenes Jahr. Ein Grund für die hohe Zahl: Das angrenzende Gebiet werde nicht bejagt. „Schweine wissen, wo das gelobte Land ist und ihnen nichts passiert.“ Nur machten sie nicht immer genau an Reviergrenzen halt.
Die Jagd auf Wildschweine ist auch wegen der Schweinepest ganzjährig erlaubt (siehe Kasten). Aufgrund der Überpopulation an Schwarzwild grassiert zudem Kirchner zufolge in seiner Gegend die Milbenerkrankung Räude. Auch sie soll durch die Jagd eingedämmt werden.
Für seine Jagd auf das Schwarzwild hat sich Kirchner Hightech zugelegt. „Durch die Wärmebildkamera und die Nachtzieltechnik kann ich die Tiere besser erkennen und beurteilen und schieße nicht versehentlich auf andere Tiere.“ Wenn Kirchner mit seinem Gewehr während der Erntezeit über die Felder zieht und zu Hause in der Wildkammer das Tier zerlegt, scheint er dem Klischee zu entsprechen, das sei alles, was ein Jäger macht. „Der Jäger ist für die meisten Leute in erster Linie einer, der etwas totschießt“, sagt Kirchner. Gerade heute mit immer mehr Vegetariern stehe er da manchmal in einer blöden Ecke.
Zudem übersteigen die Kosten bei Weitem die Einnahmen aus dem Fleischverkauf. Allein die Wärmebildkamera habe 4000 Euro gekostet und den Pick-up brauche er nur fürs Revier. Wenn Tiere Schäden anrichten, muss der Jäger Landwirte entschädigen. Für die umstrittene Nachtzieltechnik ist eine Ausnahmeerlaubnis nötig. Im Landkreis Würzburg mit Kirchners Revier wird laut Landratsamt in 15 Prozent der Reviere damit gejagt.
Kirchner liebt die Herausforderung, wenn das natürliche „Büchsenlicht“ nicht mehr ausreicht. „Mich fasziniert das Waidwerk bei Nacht“, sagt er. „Weil ein sehr hoher Anspruch an Können und Ausrüstung nötig ist – nur so stellt sich der Erfolg beim Schwinden des Büchsenlichts ein.“