Passau –„Ich bin froh, dass ich lebe“, sagt Franz Heinzl. Der Busfahrer war Ende Januar mit einem Schulbus auf der Bundesstraße 12 von Freyung nach Röhrnbach unterwegs. Mit 42 Schulkindern an Bord. Auf der zweispurig ausgebauten Bundesstraße sah der 52-Jährige plötzlich, dass in der Sperrzone ein Lastwagen zum Überholen ansetzte und ihm entgegenkam.
Heinzl war davon überzeugt, dass der Lkw-Fahrer das Manöver abbrechen und einscheren würde. Er schaute in den Rückspiegel, schaute wieder nach vorne und traute seinen Augen nicht: „Als ich wieder auf die Straße blickte, sah ich, wie er den anderen Laster überholt.“ Heinzl bremste ab, von 70 km/h auf 50. Hinter ihm fuhren Autos, in der Nacht hatte es gefroren, er geriet mit dem Bus in den Schnee auf dem Bankett. „Ich dachte nur, hoffentlich sieht der andere Lkw den Überholenden.“ Im letzten Moment wich der überholte Lastwagen aus. Heinzl musste sehen, wie er seinen Bus in der Spur hält. „Ich dachte mir: Mist, jetzt wird es sehr eng.“
Es war eine Frage von Zentimetern, für die Außenspiegel war kaum mehr Platz. „In dem Moment habe ich nichts mehr gedacht, hab nur gesehen, dass ich ausweichen kann“, erzählt der Vater von zwei Kindern, der seit 30 Jahren als Schul- und Reisebusfahrer unterwegs ist. „Wenn ich nicht schon so viele Sicherheitsfahrtrainings gehabt hätte, hätte ich das nicht so gemeistert.“ Den Fahrer sah er nicht, nur sein tschechisches Nummernschild. Aber ein tschechischer Kollege hatte das gefährliche Manöver auf Video aufgezeichnet und auf Facebook verbreitet. Über zwei Millionen Mal wurde es angeklickt – und auch die Polizei wurde so auf das verantwortungslose Manöver aufmerksam.
Jetzt folgt die juristische Aufarbeitung: Die Staatsanwaltschaft Passau hat den Fahrer wegen versuchten Mordes angeklagt. Der 53-Jährige, der in U-Haft sitzt, soll in Kauf genommen haben, dass eine Person hätte sterben können, wie die Staatsanwaltschaft Passau gestern mitteilte. Laut Staatsanwaltschaft sprach alles gegen ein weiteres Überholmanöver: Der zweispurige Ausbau der Fahrbahn endete in wenigen Metern, es herrschte absolutes Überholverbot, die Sicht war gering und durch Schnee am Straßenrand war die Fahrbahn noch schmaler als sonst. Nur weil die anderen Fahrer bremsten und dem Lkw ausgewichen waren, sei es nicht zu einem Zusammenstoß gekommen, hieß es. Das Gericht muss nun darüber entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird und das Hauptverfahren eröffnet wird. „Der Mann darf nie wieder einen Lkw fahren. Er ist eine Schande für die Kraftfahrer“, sagt Busfahrer Franz Heinzl.