Motiv für Pfeilschüsse auf Passanten unklar

von Redaktion

Ein 34-Jähriger hat in der Nähe von Augsburg mit Pfeilen auf zwei Männer geschossen und beide schwer verletzt. Am Tag nach der Tat sind etliche Fragen offen. Die Polizei kann aktuell weder das Motiv einordnen, noch sagen, ob der Mann geistig verwirrt war. Fest steht nur, dass es sich um Zufallsopfer gehandelt hat.

VON KATRIN WOITSCH

Nordendorf – Als die Ermittler am Tatort eintrafen, steckte noch ein Pfeil in der Plane des Lastwagens. In einem Wohnviertel in Nordendorf bei Augsburg haben sich Dienstagmittag schlimme Szenen abgespielt. Ein 34-Jähriger hatte mit einem gewehrähnlichen Druckluft-Gerät Pfeile auf zwei Männer geschossen, die auf der Straße standen. Beide wurden schwer verletzt. Ein 47-jähriger polnischer Lkw-Fahrer wurde von einem Pfeil in den Oberkörper getroffen, ein 39-jähriger Deutscher von einem anderen Pfeil ins Gesicht. Beide Männer konnten zu den Nachbarn flüchten. Sie brachten die Männer in ihren Häusern in Sicherheit, während der 34-Jährige weiter schoss. Wie viele Pfeile er insgesamt abgefeuert hatte, war gestern noch unklar.

Die beiden Männer wurden mit Rettungshubschraubern ins Krankenhaus geflogen und dort notoperiert. Die Verletzungen sind schwer, aber nicht lebensbedrohend, berichtete die Polizei gestern.

Das Motiv des 34-Jährigen ist aber nach wie vor völlig unklar. „Momentan können wir leider noch nicht sagen, was der Hintergrund der Tat ist“, sagte der Polizeisprecher Michael Jakob. Es müsse noch geklärt werden, ob der Mann geistig verwirrt und deshalb eingeschränkt schuldfähig war.

Rund 40 Einsatzkräfte waren ausgerückt, um ihn festzunehmen. Gestern wurde der 34-Jährige dem Haftrichter vorgeführt. Der hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen versuchten Mordes in zwei Fällen Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Die Polizei untersuchte gestern den Tatort. Noch nicht geklärt ist, ob der Mann von seinem Balkon aus auf die beiden Männer geschossen hatte. Wahrscheinlich sei jedoch, dass es sich um Zufallsopfer gehandelt hatte. „Nach jetzigen Erkenntnissen hat er wahllos auf Passanten gefeuert, die sich in der Nähe seines Anwesens befunden hatte“, sagte der Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Auch ob er die Waffe rechtmäßig besessen hat bzw. wie sie waffenrechtlich bewertet werden müsse, ist noch ungeklärt.

Wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtet, wohnte der 34-Jährige erst seit einem halben Jahr in dem Haus. Die Nachbarn beschreiben ihn als ruhig, man habe ihn kaum gekannt. Seit Dienstag gibt in dem 2200-Seelen-Dorf jedoch kaum ein anderes Gesprächsthema.

Artikel 11 von 11